48 Schmelzmaterialien, Salpeter, Borax, Kalk.
Von den übrigen alkalischen Salzen wäre hier noch der Salpeter, der alsnatürliche Auswitterung, namentlich in heißen Klimatcn, vorkommt, und zwarsowohl Kali als Natronsalpeter aufzuführen, die von vielen Hütten als Oxyda-tions-, und insofern Entfärbungsmittel („Seifen", wie der alte tsrininus tsotiniouslautet), dem Gemenge zugesetzt werden. Da der Salpeter oxydirend wirkt, istseine Verwendung, wo es gilt, organische Substanz resp. Kohle, die unbeabsichtigtin das Gemenge gelangte, durch Verbrennung unschädlich zumachen, dieRcductiondes Bleioxydes, im Bleikrystall, durch die Ofcngase zu verhindern, oder das Eisen-oxydul in das schwächer färbende Oxyd überzuführen, eine gerechtfertigte; absurdaber ist die, immer noch hier und dort vorkommende, gleichzeitige Verwendung von Sal-peter und rcducircndcr Kohle. Der Kalisalpeter influirt in Natrongläsern angeb-lich, durch sein Kali, auch auf die dem Glase durch Braunstein zu gebende Färbung.
Bon sehr beschränkter Anwendung, und zwar in neuerer Zeit nur in schweremBleiglase für optische Zwecke und in Glasflüssen (Emaillen), ist der Borax,das zweifach borsaurc Natron (Ua02Lo0^-s-10140), der hauptsächlich austoscanischer Borsäure und Soda, sowie aus dem Boronatrocalcit (1sia028o0^-s-2 0a 0 3 IZo 0^-f- 15 HO) gewonnen wird. In früherer Zeit scheint er häufigerverwandt worden zu sein, wenigstens wurde er unter anderem in altem vcnctia-nischen Spiegelglase nachgewiesen st. Der Borax verdünnt gewissermaßen dasschwerflüssige Silicat (das Glas) durch glasartiges, leichtflüssiges, aber auch leichtzcrsetzbares Borat.
Eine noch zu lösende Aufgabe ist die directe Nutzbarmachung des verbrci-tetsten Natronsalzes, des Kochsalzes, für die Glasindustrie. Grünglashüttenwenden dasselbe zwar, häufig sogar in bedeutender Quantität, an, und vielfachberuft man sich dabei auf eine mögliche Umsetzung innerhalb der Glasmasse nachder Gleichung: I^OS-st^aOt^RaO-s-IVOIst nach der man Natronin das Glas bekäme, und gleichzeitig Eisen, das sich als Chlorid verflüchtigen soll,entfernte. Trotz zahlreicher Schmelzvcrsuche, so z. B. der Kirn'sehen, ist indeß,da hier einzig und allein entscheidende Controlanalysen gänzlich fehlen, bishernicht constatirt, ob das Natrium des dem Gemenge zugesetzten Kochsalzes über-haupt in das Glas übergeht, nur die „Galle" vermehrt, oder sich ohne jeglicheWirkung als Kochsalz verflüchtigt.
Kalk. Der Kalk kommt in der Glasfabrikation in zwei Formen zur Ver-wendung, und zwar als roher Kalkstein (kohlensaurer Kalk) oder als gebrannteran der Lust zerfallener Kalk (Oxydhydrat).
Der kohlensaure Kalk findet sich in der Natur sehr verbreitet; rein in Formvon Kalkspath, der durchsichtig (isländischer Doppelspath) oder milchweiß ist,ferner von Marmor und Kreide, von welch letzterer unter anderen die vonder Insel Rügen, und von Meudon in Frankreich, ihrer Reinheit wegen sehr geschätztist. Weniger rein ist der geschichtete krystallinische Kalkstein, der Kalktuff undder thonreiche Kalkmergel.
Daß der Kalk ein wesentlicher Bestandtheil des Glases, ist auf Hütten
st Noch 1833 wird in England dem Spiegelglasgemenge Borar zugesetzt, um dasGlas leichtflüssiger zu machen. Erdmann's Journ. 17 , 853.