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Schmelzmaterialien. Manganoxyde.
Im Jahre 1861 versuchte Newton im Flintglase das Bleioxyd durch Zinkoxydzu ersetzen, ohne indeß besondere Resultate zu erlangen ^). Auch auf der 1867erWeltausstellung befand sich ein von der kaiserlichen Glasfabrik zu St. Petersburggeliefertes Zinkoxydglas, daS sich indeß auch von gewöhnlichem Schleifglase nichtwesentlich unterschied 2).
Bereits die ältesten Gläser, die auf uns gekommen, weisen eine allgemeineVerwendung des Mangans in der Glasindustrie nach (siehe historische Ein-leitung), und schon Plinius (trist. nat. 36, 192) berichtet, daß der Braunstein,der in der betreffenden Stelle übrigens, wie auch noch in viel späterer Zeit, mitdem Magneteisenerz zusammengeworfen und verwechselt wird, im GlasgcmengeVerwendung finde. Hermelins und Theophilus Presbyter wissen über dieVerwendung des Braunsteins nichts, Agricola (1530) dagegen kennt seine Be-nutzung wieder, nennt ihn wie Plinius „Magnctstein" und ergänzt den Berichtdes letzteren, man glaube, daß der „inaZnss lapis" das geflossene Glas (liguo-rsm vitri) anziehe, dahin, daß der „Magnctstcin" das von ihm angezogene Glasreinige und aus grünem und unrein gefärbtem zu weißem farblosen mache. Derdem Glase zugesetzte Magnctstcin selbst aber werde hieraus vom Feuer verzehrt ^).Dieselbe Erklärung der Wirkungsweise des Braunsteins findet sich bei M athesius,und haben sich ähnliche Anschauungen, wenigstens in Bezug auf die reinigendeKraft des Braunsteins, in der Bezeichnung „Glasseifen" für Braunstein, Arsenikund Salpeter, hier und dort noch bis auf unsere Zeit im Sprachgebrauche desGewerbes erhalten. Erst 1740 wies Pott nach, daß der Braunstein kein Eisen-erz sei, wofür er bis dahin gehalten worden war.
Die einzige Manganvcrbindung, die auf Glashütten zur Verwendung kommt,ist das Hyperoxyd (NnO^), das sich als Braunstein oder Pyrolusit in schmalenGängen und Nestern, namentlich im rothen Porphyr und dessen Sandsteinen,meist von Schwerspat!) begleitet, findet. Hauptfundorte sind das Rheingau, derHarz, das Erzgebirge, Romanöchc in Centralfrankreich, die französischen Pyre-näen und das Capo di Gata in der spanischen Provinz Almeria. Der Braun-stein kommt in Stufen sowie gemahlen in den Handel; in letzterer Form ist erhäufig unrein. Am gesuchtesten sind daher die großen deutlich strahlig-krystalli-nischen festen Stücke. Da die häufigste Verunreinigung und Beimengung desBraunsteins Eisenoxyd ist, so muß die Reinheit der Waare besonders betontwerden, und kann auf Preisdifferenzen nur bei der Verwendung des Braunsteinszur Herstellung brauner Bouteillcn Rücksicht genommen werden. Beim Glühengiebt der Braunstein Sauerstoff ab, und färbt, in die Konstitution des Glasesübergehend, das letztere weinroth bis violett. Seine Hauptverwcndung findet erindeß als „Entfärbungsmittel".
Der früheren Annahme, daß bei der Entfärbung der Braunstein im Glaseals Oxydationsmittel wirke, und das intensive Grün des Eisenoxyduls, durchUebcrführung des letzteren in Oxyd, in das lichtere Gelb verwandele, gegenüber,
Dingler's Journal 160 , 397.
2) Oesterreich. Ausstcllungsbericht, 16, Lieferung, S. 186.ch Ds rs inßtalliep. I. XII,