Schmclzmaterinlic». Bleioxyde. Kupferoxyde. 57
Färbung, die, von eigenthümlichem Effect, als Curiosität beschränkte Anwendungfindet.
Von größter Bedeutung für die Glasindustrie, namentlich die Erzeugung desKrystalls und des Flintglases für optische Zwecke, sind die Oxyde des Bleies,unter diesen besonders die fast ausschließlich von den Krystallfabriken benutzteMennige. Wird das gelbe Bleioxyd, kllO (Bleiglätte, Massicot), in pulver-förmigem Zustande längere Zeit hindurch, unter stetiger Berührung mit Luft,schwach erhitzt, so nimmt es Sauerstoff aus letzterer auf, und verwandelt sich inein schön oraugeroth gefärbtes Pulver, dessen Zusammensetzung, je nach der Zeitdes Erhitzens, den Formeln oder entspricht. Die Eigenschaft
dieses rothen Bleioxydes, bei weiterem starken Erhitzen den aufgenommenenSauerstoff wieder abzugeben, und hierdurch oxydirend auf seine Umgebung zuwirken, macht dasselbe für die Verwendung in Bleikrystallgemengen besondersgeeignet, da das Bleioxyd in diesen Gemengen, wie in dem aus ihnen gewonnenenGlase, durch gleichzeitige Einwirkung der Wärme und selbst nur geringer Quan-titäten rcducirender Substanz (organischer Staub, Kohle, Ofcngasc) leicht inmetallisches Blei umgewandelt und hierdurch das Glas geschwärzt wird.
Die gewöhnliche, im Handel vorkommende Mennige ist für Krystallhüttcnunbrauchbar, da sie Kupfer und Eisenoxyd sowie Antimonoxyd beigemengt ent-hält, Oxyde, die eine Grünfürlmng des Glases veranlassen würden. Die Krystall-fabriken, namentlich die großen und berühmten, ziehen es daher meist vor, sich ihreMennige selbst zu bereiten, benutzen hierzu die reinsten und besten Bleisortcn(für solche gelten einige spanische Marken, manche englische, so „snailllsaell",einige belgische und harzer Bleie), und oxydiren sie mit größter Sorgfalt. DasBlei wird zu diesem Zwecke in einem Flammofen, bei kaum sichtbarer Rothgluth,unter stetem Luftzutritt im Schmelzen erhalten, wobei es sich mit einer Oxyd-schicht bedeckt. Da diese, sobald sie bedeutender geworden, stets abgeschoben wird,verwandelt sich allmälig die ganze Masse in das gewöhnliche Bleioxyd (Massicot), ?l>0,von dem indeß die letztgcbildetcn Portionen, in welchen sich die fremden Oxydeconcentrirt, als unbrauchbar zur Herstellung farblosen Glases, nicht weiter benutztwerden. Die Temperatur muß bei dieser Oxydation sorgfältig regulirt werden,damit das gebildete Oxyd nicht zusammenbacke, sondern pulverförmig bleibe. Istdieser erste Oxydationsproceß beendigt, bei dem indeß, selbst bei größter Sorgfalt,stets 15 bis 20Proc. Blei in unoxydirtem Zustande dem Oxyd beigemengt bleiben,so wird das durch denselben gewonnene rohe Bleioxyd gemahlen und geschlämmt,um das beigemengte metallische Blei aus ihm zu entfernen, dann getrocknet, undin einem zweiten Flammofen, dem „Färbeofcn", in dünner Schicht auf der Sooleausgebreitet, durch weiteres Erhitzen auf circa 300" C. unter stetigem Luftzutrittund fortwährendem Durchkrücken zu Mennige weiter oxydirt.
Bedeutend billiger als die Mennige ist das Bleioxyd (Massicot oder Glätte),es wird aber, da es selten rein, keinen freien Sauerstoff, wohl aber meist unoxydirtesBlei enthält, selten, und nur zu niederer Waare, so auf einigen wenigen englischenund amerikanischen Hütten benutzt.
Von den Sauerstoffverbindungen des Kupfers werden das schwarzeOxyd (6u0) und ein Gemenge des letzteren mit Oxydul (6u^0), der schwarzbraune