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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Schmelzmaterialien. Silber. Gold.

Schmelze wie Ausarbeitung, da dasselbe leicht in die grünliche Färbung des Oxydsumschlägt.

In Frankreich war das Verfahren der Darstellung dieses Roths zu Anfangunseres Jahrhunderts noch nicht bekannt, oder gänzlich in Vergessenheit gerathen,und wurde dasselbe erst 1825 auf Veranlassung der 8ooists ä'snoouraKsmsiitdurch Bontcmps' Versuche auf der Glasfabrik zu Choisy-le-Roy wieder iusLeben gerufen, nachdem, bis zu dieser Zeit, die rothen Scheiben aus der Schweizund Deutschland bezogen worden waren. Durch eine besondere Behandlung,von der später mehr, verändert sich das mit Kupferoxydul roth gefärbte Glas,und geht unter reichlicher Krystallausscheidung in den Avcnturin, der lange Zeithindurch eine Specialität Murano-Venedigs bildete, über.

Silber (Oxyd?) färbt das Glas gelb, und zwar liegen die mittelst desselbenerreichbaren Töne zwischen Hellgelb und Orange. Wenn nun auch mit Silbergefärbtes gelbes Glas (citrünfarbig") bereits von Merret^) nach Claveusangeführt wird, so gehört doch ein in der Masse derartig gefärbtes Product zuden Seltenheiten, und ist es sogar Bontemps nach seiner eigenen Angabe 2 )nur ein einziges Mal gelungen, solches gelbes, mit Silberoxyd gefärbtes Glas zuerhalten. Farblosen Krystall, mit mittelst Silber gelb gefärbter Glasmasse über-langen, stellte Mvnvt aus Pantin auf der letzten Pariser Weltausstellung nacheinem geheimgehaltenen Verfahren dar. Im Allgemeinen wird das Silbergclb,mit Benutzung von Chlorsilber, nur als Farbe auf das Glas aufgebrannt.

Wie die Oxyde des Kupfers und das Silber, so dient auch das Gold nurals Färbungsmittcl des Glases, und ertheilt demselben eine rosen- bis purpur-rothe Farbe. War seine Verwendung zu diesem Zwecke auch bereits früherbekannt 3), so verdankt man doch Kunckel, der die betreffenden Versuche auf derunter seiner Direction stehenden Glashütte auf der Pfaueniusel bei Berlin aus-führte, die ersten eingehenden Versuche und einigermaßen brauchbare Vorschriftenfür Herstellung desRubinglases". Diese Vorschrift, von 1738 datirt, wurdevon Metzger 1836 publicirt. Weitere Versuche über diesen Gegenstand machteMarggrafH.

Wie Kunckel, so setzte auch Marggraf das Gold noch in Form vonCassius'schem Purpur, einem Präparat schwankender Zusammensetzung, das sichals Niederschlag absetzt, wenn Goldlösung mit Zinnchloridlösung vermischt wird,zu. Dieser Unglcichmäßigkeit in der Zusammensetzung des Cassius'schm Purpurswegen, setzte der Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen einePrämie für die beste Bereitungsmethode desselben und des Rubinglases aus. DenPreis gewann Fuß, Director der chemischen Fabrik in Schöncbeck, der nachwies,daß man des Cassius'schm Purpurs gar nicht bedürfe, indem auch mittelstanderer Goldverbindungcn die Färbung des Goldrubins hergestellt werden könne ^).

Christophori Merretti, Anmerkungen über die Bücher AntoniiNeri von derGlasmacherkunst in Kunckel's vitriaris, (1744), x. 193.

2) Knicks ckn vereise, x. 100. s) So z. B. dem Antonius Neri, 1611.

I Dxxoss äs gnschnss sssais, knits xonr rstirsr än srsnsst tont oolorö Isverrs ron^s äs Lnnsüsl. Nsnroirss äs 1'^.saä. äs Berlin 1779, p. 3 6,

5) Dingler's Zonen, 60 , 284.