Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
64
JPEG-Download
 

64

Schmelzmaterialien. Kalireiche Gesteine.

guten Resultaten zu führen vermöge. Ein bekannt gewordener Fall aus dem Endedes vorigen Jahrhunderts giebt hierfür einen lehrreichen Beleg.

Im Jahre 1780 veranlaßte der französische Chemiker Ch apt a l, nach im Kleinenin seinem Laboratorium angestellten Versuchen, die Ducros'sche Boutcillenhüttczu St. Jean bei Alais, Lava des ausgebrannten Kraters von Montferrier beiMontpellier ohne anderweitige Zusätze versuchsweise auf Bouteillen zu verschmelzen.Die Lava schmolz gut und ließen sich aus der geschmolzenen Masse gute Flaschenherstellen, nur war die Färbung derselben zu dunkel. Ein anderer Fabrikant derUmgegend von Alais, de Castclvicil, fing nun auch an Lava zu verschmelzen undsetzte derselben, um hellere Färbung zu erreichen, Sand und Soda zu. Der Erfolgwar sehr befriedigend und die derartig erschmolzenen Flaschen so gesucht, daß mandie eingehenden Bestellungen kaum auszuführen im Stande; aber bereits nachvier Jahren war man auf die Verwendung in ihrer Zusammensetzung abweichenderLava angewiesen, und trotz kostspieligen Herumtastens gelang es nicht mehr, eindem früher gelieferten ähnliches Product herzustellen I.

Versuche Fcldspath zu verschmelzen oder vielmehr als Zuschlag zu benutzen,wurden im Anfange unseres Jahrhunderts vielfach gemacht, so nach Leng 2 ), vonKi c sling in Zwiesel (bayrischer Wald), wo sie indeß an leichter Entglasbarkeit desgewonnenen Productes scheiterten, auf der von Haekelnberg'schen Hütte zuGroß-Bertholds, wo zu einem gewöhnlichen Fcnsterglasgcmenge mit gutem Erfolgeein Viertel Fcldspath zugesetzt wurde, und von Jäckel in Wien, der sich 1818einige aus Feldspath, Sand, Kalk und geringen Mengen von Kochsalz bestehendeSätze patentircn ließ.

Basalt von Hohen Hagen im Sauerlande, an der Lcnnc, wird (nach Mus-pratt, Techn. Chem. 2, 1311) von einer Flaschenhüttc zu Lamspringe als Zu-schlag benutzt, und recommandirt Flamm den Basalt von Unkcl a./RH. zu dem-selben Gebrauch als vorzügliches Material. Bis auf unsere Tage sind wiederholtVersuche in dieser Richtung gemacht worden, indeß, da die unbedingt erforderlicheanalytische Controle fehlte, nur selten von bedeutendem Erfolge begleitet gewesen.Gutes und angeblich nur aus einem Gemenge verschiedener Gestcinsartcn erschmol-zenes Bouteillenglas hatte auf der Wiener Weltausstellung die österreichischeGlashüttengesellschaft zu Aussig a./E. ausgestellt, und danke ich Herrn Fr. Siemensin Dresden die Mittheilung, daß er, mit völlig befriedigendem Erfolge, aufseiner Hütte Granit unter alleinigem Zuschlage von Schwerspat!) verschmolzen habe.

An der Möglichkeit erfolgreicher Ausnutzung der Alkalisilicate der genanntenund ihnen verwandter Mineralien und Gesteinsarten ist somit nicht zu zweifeln,die Schwierigkeit ihrer Verwerthung liegt zum größten Theile in der bei denmeisten unbedingt erforderlichen andauernden analytischen Controle ihrer Zusam-mensetzung, sowie derjenigen der producirten Waare, zu der gerade Grünglas-hütten meist am allerwenigsten disponirt sein dürften.

1) IZnoxolop. x. orä. cl. inatisrss. ^rt,8 st mstisrs 8, 462.

2 ) Leng, Handbuch der Glassabrikatwn 1835 (Weimar, Voigt), S. 37.