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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Sah und Gemenge.

Beigabe zum Gemenge bilden, da sie, wie das im Schmclzhafcn nach der Aus-arbeitung zurückgebliebene Glas, den Zersetzungsproceß des neuen Gemenges beider Schmelze einleiten, und wesentlich unterstützen. Glasbrocken und Scherbensind aus diesem Grunde ein auf allen Hütten geschätztes Material und wurdenin früherer Zeit sogar gern aufgekauft. Neuerdings kommt man vom Einkaufehier und dort gesammelter Scherben immer mehr ab, da nicht nur Feinglas-fabrikcn, sondern selbst solche für ordinäre Waare, zu der richtigen Erkenntnißgelangt sind, daß es, setzt man seinem Glase Brocken unbekannter und wechselnderZusammensetzung, wie sie der Einkauf liefert, zu, nicht möglich, gleichmäßig guteWaare zu liefern. Daß alle Glasbrocken, und zwar wo auf verschiedenes Glasgearbeitet wird, jede Sorte für sich, vor der Verwendung einer sorgfältigen Rei-nigung unterworfen, namentlich der ihnen meist anhaftende Eiscnabbrand derPfeifen, wo es sich nicht um sehr dunkele Boutcilleu handelt, beseitigt werden muß,brauchte nicht erwähnt zu werden, wären Nachlässigkeiten der Arbeiter gerade indieser Beziehung nicht allzuhäufig.

Für sich allein verschmolzen, liefern die Brocken meist ein sprödes Product,es muß daher, auch wo sie mit neuem Gemenge zusammengeschmolzen werdensollen, ein durch Erfahrung festzustellendes Maximum des Brockeuzusatzes nichtüberschritten werden. Usuell ist in dieser Beziehung die Verwendung von ungefährdemselben Gewichte an Brocken als an Sand im Gemenge, oder, da es hier aufkleine Differenzen nicht ankommt, eines diesem Gewichte nahezu entsprechendenMaßes derselben.

Sind auf den meisten Hütten die Gewichtsverhältnisse des Satzes für eineund dieselbe Glasgattung nun auch ziemlich constante, so kommen geringe Schwan-kungen stets vor, ja sind durch die äußeren Umstände geboten. Die Schmelz-öfen, selbst die besten, liefern, auch bei sorgfältigster Leitung, nicht stets das gleicheTcmperaturmaximum, regelmäßig z. B. geht der Ofen in der ersten Zeit desBetriebes, wo er noch nicht in seiner ganzen Masse durchgewärmt, sowie in derletzten, in der sich bereits die Abnutzung an einigen Theilen fühlbar macht, nichtso heiß, als in der mittleren Periode der Betriebszcit oderCampagne", undmuß solchem Verhalten dann im Gemenge Rechnung getragen werden, indem manden Sandgehalt des letzteren um einige Procent hcrabdrückt, oder den Alkaligehaltum ein Geringes erhöht. Die Größe solcher Erhöhung wird sich nach demTemperaturunterschiede zu richten haben, in gut construirten und genügend vor-gewärmtenaufgetemperten" Oefen, genügt eine Erhöhung über den Normal-gehalt von 5 bis 8 Proc. im Maximum, und ist ein Ucberschuß von Alkalizu vermeiden, da mit einem solchen versorgtes Glas zwar leicht schmilzt, aberschlecht läutert und, wie oben erwähnt, nicht mehr genügende Resistenz gegenchemische Einwirkungen besitzt. Ein Zuviel wirkt hier, wie aus dem Angeführtenersichtlich, ebenso schädlich, als ein Zuwenig, und ist es daher durchaus falsch, wennder Uebelstand, daß das Glas, in Betreff des Lauterns, billigen Erwartungen nichtentspricht, unbedingt auf Rechnung des Ofens geschrieben wird, derkeineordentliche Hitze" gäbe, das Mißlingen kann ebensowohl darin seine Ursache haben,daß die Hitze zu groß, oder, da dieses nie ein Fehler, daß das verwandte Gemengezuweich", zu reich an Basen überhaupt, oder an Alkali. So habe ich mich