73
Thon.
nur in ihren allgemeinsten Zügen mehr erschlossenen als experimentell nachge-wiesenen, Beziehungen zwischen Zusammensetzungen und Schmelzbarkeit, Klarheitund feste Form gewonnen haben. Richters' Verdienst ist es namentlich, dieUrsachen des früher räthselhaften Verhaltens mancher relativ kieselsäurereichenund alkaliarmen Thone gefunden, und experimentell sicher nachgewiesen zu haben.Eine noch ziemlich rohe Methode der directen Bestimmung der relativen Feuer-beständigkeit verschiedener Thone, beschrieb zuerst Otto st. Bischof 2 ) leitete auszahlreichen analytischen Untersuchungen und directen Schmelzversuchen mit Ge-mengen chemisch reiner Thonerde und Kieselsäure, sowie mit verschieden zusammen-gesetzten Thonen, als Regel ab, daß so, wie basische Thonerdesilicate entschiedenstrcngflüssiger als saure, auch mit dem Gehalte eines Thones an Thonerde, oasbsrisxaridns, die Feuerbeständigkeit desselben steige, andererseits wieder, diejenigenThone die feuerbeständigeren, die weniger alkalische Erden, Alkalien, Eisenoxyd undOxydul enthalten. Das Verhalten des fraglichen Thones in hoher Temperaturprüft er direct bei Heller Rothgluth, ihn mit einem anderen vergleichend, und wählt,um für die relative Feuerbeständigkeit einen Ausdruck zu gewinnen, als für alleseine Bestimmungen gemeinsames Vergleichobject (Normalthon) den, als gut be-kannten, schottischen feuerfesten Thon von Garnkirk. Bischof's Verfahren beider Werthbestimmung eines fraglichen Thones ist das folgende st.
Auf Grundlage der Erfahrung, daß, wenn man einen Thon mit Quarz-pulver mengt, seineStrengflüssigkeit bei hohen, jedoch nicht bis zur Weißglut!)reichenden, Temperaturen mit zunehmendem Quarzgehalte wächst, versetzt er denzu prüfenden Thon niit seinem l- bis lOfachen Gewichte Quarzpulver, formt ausden Gemengen kleine Cylinder, die ihrem Quarzgehalte entsprechend numerirtwerden, so daß Nr. 1 auf 1 Thl. Thon 1 Thl. Quarz, Nr. 2 auf dasselbe QuantumThon 2 Thle. Quarz u. s. w. enthalten, und vergleicht dann das Verhalten dieserProbecylinder mit dem, ebenso geformter entsprechender Gemenge von Quarz undGarnkirker Thon. In der Gluth eines Deville'schen Ofens, die Gußstahl zuschmelzen genügt, werden die Cylinder des Normalthons neben denen des zu prü-fenden, in einem weiten geschlossenen Schmelztiegel 12 Minuten laug geglüht,wobei von den mit Garnkirker Thon hergestellten Probecylindern, keiner eine Form-veränderung zeigt. Das Aussehen der Normalthonproben nach diesem Glühen istdas folgende:
Nr. 0 dicht, porcellanartig, mit glänzender Bruchfläche.
Nr. 1 vollständig mit einer Flußrinde umgeben und glasirt.
Nr. 2 Flußrinde unvollständiger, die Probe sieht wie bestäubt aus.
Dieses matte bestäubte Aussehen nimmt nun bei den folgenden Probecylindern zu,bis endlich Nr. 6 körnige Oberfläche zeigt, und auf dem Bruche an der Zungehaftet. Bei Nr. 8 findet solches Anhaften an der Zunge auch bereits an der
st Dingler's Journal 163, 193.
st Dingler's Journal 170, 43. Frühere Arbeiten über denselben Gegenstand:ebendaselbst 159, 54; 161, 208 und 291; 169, 455.
st Erdmann's Journ. (1861) 84, 354, nach Dingler's Journ. 1861. Januar- undAugustheste.