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Thon.
Nur bei den wenigsten feuerfesten Thonen beschränkt sich die Einwirkungder Weißgluth auf ein Zusammensintern und Schwindenlasfen der geformtenMassen, die meisten, selbst ihrer Feuerbeständigkeit wegen gepriesene Thone, er-weichen mehr oder weniger, schwellen in Folge der Entstehung größerer oderkleinerer Hohlränme in ihrem Innern auf, und glasiren sich an der Oberfläche,andere endlich zerfließen vollständig zu einem matten Email. Schon ein Thonder Zusammensetzung T1^0^3 8i0^ glasirt sich nach den übereinstimmenden An-gaben Bischofes und Richters' bei Weißgluth. Da nun die basischeren Silicatcdie feuerbeständigeren, muß ein für sich geglüht unglasirt bleibender Thon ein nochbasischeres Silicat sein, setzt man diesem aber Quarzpulver zu, so wird, je nachdemer mehr oder weniger Flußmittel enthält, das sich Glasiren spätestens bei einemQuarzzusatze der der Gesammtmasse, in Betreff des Kieselsäure- und Thonerde-gehaltes, die Zusammensetzung T12 0^3 8i02 giebt, eintreten. Glasirt sich einThon bereits ohne Zusatz von Kieselsäure, oder zerfließt er gar bei Weißgluth,so kann dieses verursacht sein, entweder durch einen großen Gehalt an Flußmitteln,bei gleichzeitig bedeutendem Thonerdegchalte, durch hohen Kieselsäure- bei relativgeringem Flußmittelgehalte, oder endlich durch gleichzeitig hohen Kieselsäure- undFlußmittelgehalt, in allen drei möglichen Füllen, wird aber seine Strcngflüssigkcitzunehmen, wenn ihm Thonerde zugesetzt wird. Von diesen Voraussetzungen aus-gehend, formt Richters aus dem zu prüfenden lufttrockenen, feinzerriebencnThone, sowie aus Gemengen desselben mit O'l bis 10 seines Gewichtes anThonerde einerseits, und feinst zerriebenem Quarzpulvcr andererseits, 2 om langeund 4 nun starke dreiseitige Prismen, die er, entsprechend der Menge ihres Quarz-resp. Thonerdezusatzes, mit Nr. 1 bis 10 numerirt,' bringt diese Prismen ineinem Tiegel von circa 50 bis 60 nun Weite in den heißesten Theil eines ge-wöhnlichen Windofens, und erhitzt sie hier circa 2 Stunden bei einer Temperatur,die zum Schmelzen von Schmiedeeisen hinreicht. Um Irrungen in Betreff desHitzegrades vorzubeugen fügt Richters den zu prüfenden Prismen stets einsolches aus einem Thon-Quarzgemenge, dessen Verhalten genau bekannt, bei. NachVerlauf von 2 Stunden entfernt er den Tiegel mit den Probeprismen aus demWindofen, und bestimmt nun dasjenige Prisma, das nur eine ganz dünne, aberdeutlich wahrnehmbare Glasirnng erkennen läßt. Numerischen Ausdruck giebt erseinen Resultaten, indem er, bedurfte der Thon, um das gewünschte Verhalten zuzeigen, eines Quarzzusatzes, solches durch das Zeichen -s-, bedurfte er eines Thon-erdezusatzes mit — bezeichnet, und die Größe des Zusatzes, also: 01; 0'2 . . . 1'0des Eigengewichtes des Thons, durch die Zahlen 1; 2 .... 10 angicbt. Sobezeichnet er z. B. die Feuerbeständigkeit des Thones von Vallendar mit — 1,d. h. der Thon bedurfte eines Thonerdezusatzes von O'l seines Eigengewichtes,um, nach zweistündigem Glühen in Schmiedeeisenschmelzhitze, schwach glasirt zuerscheinen.
Wie für die Feucrbeständigkeit der verschiedenen Thone, so suchte Bischofneuerdings auch für ihr Verhalten gegen flüssiges Glas numerische Ausdrückezu gewinnen i). Wie dort mit Quarz, so mengt er hier den zu untersuchenden
i) Dingler's Journ. (1873) 208, 81. Polytcchn. Centralblatt 1873, S. 772.