Thongemmge. 87
bei dem eine Bleikugel von circa 100 Z Gewicht 170 bis 200 om herabfallend,bis zu einer ihrem Durchmesser gleichen Tiefe in die Thonmasse einsinkt.Für den Bau in der Form kann der Thon weicher sein, und genügt hier eineSteifigkeit, bei der derselbe Erfolg bei 125 bis 150 om Fallhöhe der Kugel er-reicht wird.
Nach Verlauf von 12 bis 24 Stunden wird das Thongcmenge „umge-stochen" und von Neuem durchgetreten. Ein Arbeiter sticht hierbei, mit der be-schriebenen Holzschanfel, von dem die eine Hälfte des Thonkastens füllenden Materialflache Schollen, die Schaufel senkrecht führend, ab, und wirft diese reihenweiseauf den Boden der leeren Kastenhälfte, während ein anderer das Zusammen- undDurchtreten derselben in der Weise besorgt, daß er von der einen Seite desKastens beginnend, und die Füße senkrecht gegen einander gerichtet, stets mit derFerse des einen Fußes in die Höhlung zwischen Ferse und Ballen des anderenhineintretcnd, sich gucr über den Thonkastcn hinbewegt. Setzt er hierbei die er-forderliche Aufmerksamkeit nicht außer Acht, und schreitet, ist die eine Reihe Schollendurchgetreten, zur zweiten vor, um eine halbe Fußlänge weiter tretend, und so fort,so findet sich schließlich keine Stelle der Masse, die nicht wenigstens 2 bis 3 Trittein senkrecht aufeinanderstellender Richtung empfangen hätte. Ist in dieser Weiseallmälig die ganze Thomnasse auf die früher leer gebliebene Seite hinübergeschafftund hier durchgetreten, so beginnt dieselbe Bearbeitung von Neuem, indem dieThomnasse allmälig wieder auf die leere Kastcnhälfte gebracht, und hier durch-getreten wird, und wird, stets in derselben Weise, im Laufe einiger Tage wenigstens5 bis 6 Male wiederholt, worauf dann das Gemenge, das nun gleichmäßig genugvon der Feuchtigkeit durchdrungen, unmittelbar zum Hafenbau verwandt werdenkann. Manche Hütten formen aus dem Thon in diesem Stadium noch zunächstregelmäßige Klumpen und lassen solche Monate hindurch in Kellern lagern,„faulen", wodurch eine noch gleichmäßigere Vertheilung des Wassers erzielt wird.Sind geeignete Lagerräume vorhanden, so ist das „Faulenlafsen" sehr geeignet, dieThomnasse, namentlich wenn fette Thongemifchc zur Verarbeitung verwandtwerden, von möglichst gleichmäßiger Plasticität zu erhalten. In älterer Zeitwurde solches Lagern des Thones vor seiner Verwendung sogar für unvermeidlichgehalten, dieses ist es aber, wurde das Umstechen und Treten mit genügenderSorgfalt ausgeführt, durchaus nicht.
Das Formen oder „Banen" der Häfen geschieht durchgängig mit der Handund zwar in hölzernen Hohlformcn, oder auch ohne solche. Beide Arten desHafenbaues sind, soweit ältere Aufzeichnungen darüber Auskunft geben, stets nebeneinander im Gebrauche gewesen, und beide liefern, bei kundiger und aufmerksamerHandhabung, gute Häfen. Alle Versuche dagegen, Schmelzticgel, von derGröße wie sie die Glasfabriken gebrauchen, auf mechanischem Wege z. B. aufder Drehscheibe, oder durch Pressen herzustellen H, haben bisher unbefriedigende Re-sultate geliefert, und hat sich daher eine mechanische Formerei in der Praxis nichteingebürgert.
Leng: Handbuch der Glasfabrikatwn S. 186, nach Bastcnaire-Daudenar t,,1art <1s tu vitriksation". il'aris 1825.)