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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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90 Hafenbau.

so werden, sowohl der in Arbeit befindliche Hafen, als die Thonrollcn, mit leichtangefeuchteten Tüchern bedeckt, um ein Austrocknen der Verbindungsstellen zuvermeiden.

Ist der Hafen, wie beschrieben, im Rohen fertig gestellt, so beginnt nun dieBearbeitung desselben durch Schlagen mit der Hand oder mit Blttueln, und zwarvom Boden anfangend und allmälig an der Wand aufsteigend, durch die einer-seits, eine Verdichtung der Thonmasse überhaupt, besonders aber eine noch innigereBereinigung der Verbindungsstellen der einzelnen Rollen, andererseits ein Egalisiernder Wandstärke, bezweckt wird, und wird solch nachträgliches Bläucln des Thones,namentlich bei Verwendung fetter, langsam trocknender und leicht reißender Hafen-compositionen, meist im Verlaufe der nächsten Tage mehrmals wiederholt. DerHafen wird dann, ist er genügend fcstgeschlagen, durch Auskratzen mit einem circa10 ein langen, 5 bis 6 om breiten viereckigen Blechstücke, dessen Ecken rund ab-geschnitten und das, sichereren Anfassens wegen, an seiner einen Langseite zu einerRöhre zusammengerollt, von innen cgalisirt, mit einem Schwamm schwach ange-feuchtet, und mit dem angeführten Blechstücke, oder glattem Holze, geglättet, danndie Form geöffnet und entfernt, das am Hafen haftende Tuch vorsichtig von dem-selben abgezogen, und nun auch eine Glättung der äußeren Fläche vollführt.

In dieser Weise im Bau vollendet, bleibt der Hafen sich selbst überlassenstehen, und tritt nun, allmälig trocknend, in die gefährlichste Periode ein, inwelcher zu hohe Temperatur der umgebenden Luft, Zug, dirccte Insolation, sowie auch jede Erschütterung, ihn zu verderben und unbrauchbar zu machen ver-mögen. Die geeignetste Temperatur für das allmäligc Trocknen in dieser Periode,die möglichst constant zu erhalten ist, liegt zwischen 18 und 20" C. Das Aus-trocknen beginnt zunächst an den Wänden, die allseitig von Luft umgeben sind,und geht am raschesten am oberen Rande vor sich. Sind die Wände soweittrocken geworden, daß ein Verbiegen und Reißen derselben, bei der mit demHafen vorzunehmenden Manipulation, nicht mehr zu befürchten ist, so wird derHafen mit größter Vorsicht umgelegt, und, auf einer Seite liegend, mit demoberen Theile der Wand gegen ein festgeschnürtes Bund Stroh gestützt, das seinenzerbrechlichen Rand vor directer Berührung mit dem Fußboden schützt. In dieserLage kann dann auch der Boden, dessen untere Seite jetzt auch mit der Luft indirecter Berührung, gleichmäßig trocknen. Ist endlich auch dieser so trocken geworden,daß er, selbst bei starkem Drucke mit dem Finger, keine Eindrücke empfängt, sowird der Rand, indem sich Wand und Boden berühren, schräg abgeschnitten, damithier, soll der Hafen von der Schmelzofensoole oder derBank", auf die er imOfen zu stehen kommt, und an der er stets mehr oder weniger anbackt, gelöstwerden, die Brechstange einen Anhaltspunkt finde, und der Hafen kann dann ineinem wärmeren Theile der Hafcnstubc, bei einer Temperatur von 30 bis 35"weiter getrocknet werden. Aber selbst in solcher Temperatur sind noch 2 bis 3Monate wenigstens erforderlich, damit er, völlig lufttrocken geworden, das An-wärmen bis auf helle Rothgluth, dem er direct vor seiner Verwendung unter-worfen wird, ohne zu reißen, vertrage und somit benutzt werden könne.

Das Bauen der Häfen ohne Form geschieht in einer der eben beschriebenenähnlichen Weise. Nachdem auf dem Hafenbrette der Boden ausgearbeitet, egalisirt