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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Arbeit aus freier Hand.

und an den Rändern zu einer rinncnartigen Vertiefung niedergedrückt, wird indiese, die den Fuß der Wand bildende, erste Reihe der Thonrollen eingetnetet,auf diese eine zweite in beschriebener Weise aufgesetzt, und so von Reihe zu Reihefortgefahren, bis die gewünschte Wandhöhc erreicht ist. Diente beim Bau in derForm, letztere als Widerlager, gegen den beim Festknoten der einzelnen Rollenauszuübenden Druck der rechten Hand des Hafemnachers, so übernimmt die stützendeFunctiou, beim Bau ohne Form, die linke Hand, die, an der Außenseite derWand, der inwendig arbeitenden rechten gegenüber, hingeführt, und mit der dererforderliche Gegendruck ausgeübt wird. Schon bei der Arbeit in der Form werdenhohe Anforderungen an die Achtsamkeit und Sorgfalt des Hafemnachers gestellt,beim Formen aus freier Hand werden letztere womöglich noch gesteigert, und zwarsowohl in Bezug auf die Vorbereitung des Materials, als auf die Ausarbeitungdesselben. Die Grenzen, innerhalb deren dieSteisigkeit" des Thones schwankenkann, sind hier viel engere, da, bei auch nur um Weniges zu weich gehaltenerBtasse, die Wände des von Anfang an freistehenden Hafens sich unbedingt ver-biegen, oder gar zusammensinken wurden, andererseits, die zu inniger Verbindungder Rollen, sowie zum Austreiben eingeschlossener Luftblasen, beim Bau in derForm, wesentlich mitwirkende kräftige Bearbeitung mit dem Bläue! bei freistehender,weicher Wand ausgeschlossen bleiben muß. Hierzu kommt, als die Arbeit ebenfallserschwerend, und verlangsamend, daß, unterstützen den Hafenmacher bei der Beur-theilung der richtigen Neigung der Wand, der gleichmäßigen Krümmung derselben,sowie der stetig abnehmenden Wandstärke, auch Lehre, Maßstab und Loth, diesedoch nicht andauernd gehandhabt werden können, und daher zu correcter Formunggeübtes Augenmaß unerläßliche Vorbedingung ist.

Ungeachtet der schwierigeren Ausführung werden in freier Hand gearbeiteteHäfen von Manchem den in der Form gefertigten vorgezogen; ich habe, bei gleich-zeitiger Benutzung beider Arten, die jede von einem ausschließlich an seine Artdes Baues gewöhnten Hafenmacher aus derselben Thonmasse gefertigt war, keinenUnterschied in der Haltbarkeit, oder sonstigen Eigenschaften, entdecken können, haltedaher beide Methoden des Hafenbaues für gleich berechtigt, und ziehe den Bau inder Hand nur vor, wo es sich darum handelt, die Arbeit eines fremden Hafen-machers zu taxiren, da bei in letzterer Art ausgeführten Häfen Ungeschicklichkeitund Nachlässigkeiten deutlicher hervortreten, und schwerer nachträglich zu ca-chiren sind.

Wie die offenen, so können auch die geschlossenen odergedeckten" Häfen biszur Höhe der Kappe (äüurs), und des seitlichen Ansatzes derselben, sowohl in derForm, als aus freier Hand gearbeitet werden, die Kappenwölbung aber, und derAnsatz, durch den die Schmelzmaterialien in den Hafen eingetragen, und das Glasausgearbeitet werden sollen, werden bei solchen Häfen stets aus freier Hand gefertigt.Wie beim Baue der Häfen selbst, setzt der Hafcnmacher auch hier Rolle au Rolle,sie durch Zusammenknetcn innig verbindend, und zieht hierbei die Wände allmäligein. Ist endlich die noch freie obere Oeffnung so klein geworden, daß die stutzendeLinke die arbeitende Rechte behindert, so wird die seitliche Oeffnung der Kappemit einem spitzen Messer ausgeschnitten, die linke Hand von hier aus eingeführt,und nun die Wölbung geschlossen. Der Ansatz wird alsdann entweder am Hafen