Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
99
JPEG-Download
 

99

alte Schmelzöfen.

Die älteste auf uns gekommene Beschreibung eines Glasofens, oder vielmehreine Vorschrift für den Bau eines solchen, stammt aus dem XI. Jahrhundertvon dem Mönche Thcophilus ^). Sein Schmelzofen (olilmnns oxsris) von recht-eckigem Grundrisse, circa 5 in lang, und 3 in breit, ist durch eine von Grund ausaufsteigende Querwand in zwei völlig getrennte Theile getheilt, von denen der eineals Frittofen, der andere als eigentlicher Schmelzofen dient, und dürfte seine Ein-richtung der, der in Rom verwandten „zusammenhängenden Oefen" nahe verwandtgewesen sein. Ueber dem, beiden Oefen gemeinsamen, Fundamente ist eine ebeneSohle („lar") hergestellt und durch die erwähnte Quermauer derartig getheilt,daß 2/3 von ihr auf den Schmelzofen, i/g auf den angebauten Frittofen kommen.Auf der Sohle steht die Umfassungsmauer beider Oefen, die an den einandergegenüberliegenden, 3 in langen, Ofenseiten je eine größere ausgesparte Oeff-nung, das Schürloch, zeigt, und sind die derartig gebildeten beiden Herdräumedann, in aus Thcophilus' Angaben nicht näher zu entnehmender Höhe, nach obenzugedeckt, und die Deckung, eben ausgeglichen, als Sohle für den Schmelz- undFrittraum benutzt. Die beschriebenen weiten Räume dienen als Feuerherde undcommuniciren mit den über ihnen liegenden Oefen durch in ihrer Deckung ange-brachte Feueröffnungen, deren der Schmelzofen zwei besitzt, während der kleinereFrittofen nur eine ausweist, die an der Mitte der ihn vom Schmelzofen trennendenScheidewand liegt. Schmelz- wie Frittraum sind dann endlich durch niedrigeSeiten und höhere Frontmauern sowie ein über beide Oefen reichendes Tonnen-gewölbe geschlossen. Der Schmelzofen besitzt in seiner Frontmauer, in der untendas Schürloch ausgespart war, über der Ofensohle zwei Oeffnungen zum Einsetzender Häfen („Hascnthore"), sowie an jeder Längsseite, entsprechend der Zahl deraufzunehmenden Häfen, vier Arbcitslöchcr, wogegen der Frittofen nur eine Oeff-nung, die zum Ein- und Austragen der aufzunehmenden Materialien bestimmt ist,in seiner einen Scitenmauer ausweist.

Ueber die inneren Maße der Feuerherde, wie der Oefen, kommt man nachThcophilus' Angaben nicht ins Klare, jedenfalls scheinen sie, im Verhältnisse zuder zu producircnden Glasmasse, enorm groß gewesen zu sein, und sind überdiesdie Bedingungen für die Verbrennung des Holzes in diesem Ofen, fast möchteman sagen, möglichst ungünstige, da der Luftzutritt, sowohl was das Quantum,als was die Art und Weise desselben betrifft, höchst ungenügend.

Auf nicht höherer Stufe der Entwickelung steht ein anderer Glasofen ausetwas späterer Zeit, der von Hermelins beschrieben ist 2 ). Er enthält über demFeuerraum drei gesonderte Theile (nrolla), von denen der erste als Frittofen,gelegentlich auch zum Anwärmen der Häfen dient, der zweite mittlere zwei Schmelz-tiegel (mortariolnin) enthält, der dritte endlich, zum Kühlen des Glases, zu welchemZwecke Thcophilus einen besonderen Ofen recommandirt, bestimmt zu sein scheint.Derartige Ofencombinationen erhalten sich lange unverändert und auch die Oefen,

I Ursopüili illrssb^tsri ckivsrsarnin artinin sotiecknla. Revidirter Tert, tleber-setzüng und Appendix von Alb. Jlg (Wien, 1874) I, 1.

2 ) Heraclins: „Von den Farben und Künsten der Römer", Originaltext und Uebcr-setzung, mit Einleitung, Noten und Ercursen von Albert Jlg. Wien 1873.

7.