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Die Schmelze (Galle).
Sobald das Gemenge niedergeschmolzen, erscheint ein großer Theil der sichabgeschieden habenden Galle auf der Oberfläche des Glases, verschwindet indeßmeist bald wieder, indem die Sulphate theils, in Berührung mit reducirenden Sub-stanzen, so, wo solche vorhanden, mit unvollkommen verbrannten Ofengasen, zer-setzt, anderentheils, wie das von erfahrenen Schmelzern bereits längst behauptet,durch die betreffenden Untersuchungen von Pelouzei) bestätigt worden, unver-ändert im Glase gelöst wurden. Die unter letzteren Umständen von der Galle aufden Verlauf der Schmelze, sowie auf das fertige Product, ausgeübten schädlichenEinflüsse wurden zum Theile schon von Böse richtig erkannt, so auf das Ucbcr-gehen der Galle ins Glas das Blasigwerden und Nichtlautern, oder Sichnicht-blankschürenlassen mancher Gläser, sachgemäß zurückgeführt 2 ). Zu den durchdie Galle hervorgerufenen Ungehörigkeiten gehört dann auch, wie ich mich hiervonwiederholt zu überzeugen Gelegenheit gehabt, das hin und wieder eintretende„Blauwerden" der Natrongläser, während der gelbliche Stich, den dieselbengewöhnlich zeigen, wie dieses von Splitgerber und Pelouze nachgewiesen st,Spuren reducirter Galle, gelösten, intensiv färbenden, Sulphüren, zuzuschreiben ist.
In wie bedeutenden Quantitäten, bei Verwendung von Rohsoda, und bei derniedrigen Temperatur der alten Oefen, die Galle sich abzuscheiden Pflegte, beweistunter anderen die Angabe Merret's: „Ein Topfs, welcher deß besten Metalls(Glases) 200 Pfund hält, der wird 30 Pfund deß Alkalischen Saltzcs, bey denTeutschen Glaß-Gall, geben" st. In solcher Galle war dann wohl überwiegendKochsalz und Chlorkalium vorhanden, denn, nach einer ebendaselbst sich findendenAngabe, wird die Galle der Glashütten, zu Merret's Zeit, in Frankreich zumEinsalzen der Speisen vielfach benutzt.
Zur Beseitigung derartiger Mengen Galle genügte ein Abschöpfen oder„Abbrennen" und „Ausschirren" nicht, es war daher ein, häufig sogarwiederholtes, Ausschöpfen des Glases in kaltes Wasser, von dem die Galle gelöstwurde, und ein Umschmelzen der in dieser Weise gereinigten Masse, unbedingterforderlich, und wird solches „Ausschöpfen" (tiraZs ü 1'sau, to smxt/)dann auch bereits von Neri, dessen Schmelze, nebenbei bemerkt, hierdurch, sowiedurch die niedere Temperatur des Ofens, ungeachtet der Verwendung sehr kleinerHäfen, etwa 8 Tage dauerte, sowie von Kunckel und Merret, dringend em-pfohlen. Auch schon vor Neri, ja selbst auf den antiken Hütten muß übrigenssolches Ausschöpfen und Umschmelzen des rohen Glases üblich gewesen sein, dafürspricht wenigstens, die in den besseren Producten der Glasfabriken des Alterthumsso gut wie durchgängige Abwesenheit schwefelsaurer Salze, die, ungeachtet unsererheißgehenden Oefen, zu den alltäglichsten Begleitern moderner Natrongläsergehören.
1) Oomxt. rsnck. 43, (1856) 117.
2 ) Nörnoirs sur la oauss cks bullss gui so trouvsnt äans Is vorrs. Oeuvres1, 1 bis 20.
st Splitgerber: Dingler's Journ. 138, 292 (1855). Pelouze: Dingler's Journ.178,134 nach Oornxt. rsnä. 60, 985, sowie meine Ergebnisse, Dingler's Journ. 202,422.
st Merret's Anmerkung zu Neri's Glasn,acherkunst 1, 9 in Kunckel's Jrsvitriaria exxsrimentalis (Ausgabe von 1744, S. 239).