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Die Schmelze.
Neben dem Beseitigen der Galle durch Ausschöpfen des Glases in kaltesWasser, bei dem übrigens, wie solches auch bereits Merret anführt, große Vor-sicht erforderlich, da glühende Galle mit Wasser, selbst nur demjenigen eines nassenSchöpflöffels, zusammenkommend, bisweilen, unter nicht näher bekannten Um-ständen, fürchterliche Explosionen veranlaßt sowie dem, nur sehr wenig wirksamenAbschöpfen, kennt und rceommandirt Bosc auch bereits eine andere Art, die sichvielfach noch bis auf den heutigen Tag im Hütteugcbrauche erhalten: das „Ab-brennen", die thcilweise Redaction, durch wiederholtes Umrühren des galligenGlases nnt frischem Holze, bei dem die Kohle des letzteren auf das schwefelsaureSalz rcducirend einwirkt, und es hierdurch, wie solches in einem früheren Abschnitteauseinandergesetzt, durch Kieselsäure zcrsctzbar, somit die Basen des Sulphats fürdie Glasgewinnung nutzbar macht. In neuerer Zeit ist, wo man sich gereinigterSoda bedient, oder, wird schwefelsaures Salz verschmolzen, diesem gleich das zuseiner Reduction erforderliche Quantum Kohle beigiebt, die Galleuabscheidunggewöhnlich ziemlich unbedeutend, da indeß, wie bei Besprechung der Schmelzmate-rialien erwähnt, die fabrikmäßig hergestellten Sodasortcn, selbst hoher Marke, meistbis gegen 10 Proc. Sulphat enthalten, ist es gerathen, auch solche Soda nie ohnegeringen Kohlcnzusatz, als Reduktionsmittel für das vorhandene schwefelsaureSalz, dessen Menge analytisch festgestellt wird, zu verschmelzen. Sowohl die zurLäuterung des Glases erforderliche Zeit, als die Färbung und Lauterkeit desgewonnenen Productes, werden durch solchen Zusatz entsprechender Quantitätenreducireuder Substanz aufs Günstigste beeinflußt, und ist es hier, wie bei denmeisten Uebelstäudcn leichter, das Eintreten derselben durch geeignete Vorsichts-maßregeln zu verhindern, als die einmal vorhandenen zu beseitigen. Bei Ver-wendung circa 10 Proc. Sulphat enthaltender Soda hat mir ein Holzkohlezusatzvon 1'2 Proc. des Sodagewichtcs stets, und andauernd gute Resultate gegeben.Daß ein Ueberschuß von Kohle sorgfältig zu vermeiden ist, da sich das Glas beizu weit gehender Reduction der Sulphate intensiv färben würde, ist, nach demhierüber a. a. O. Aufgeführten, selbstverständlich.
Kehren wir nach dieser Abschweifung zu unserer Schmelze zurück. Erhältder Schürer, nachdem die Glasbildung erfolgt, die Luftzüge seines Rostes frei, unddie Brennstoffschicht in geeignetem Zustande, so steigert sich jetzt, wo für die Zweckeder Erhitzung neuen Gemenges, und der Glasbilduug aus dem letztere», leineWärme mehr absorbirt wird, die Temperatur des Schmelzraumes rasch, und be-wirkt solche Temperatursteigerrmg, „das Heißschüren", daß das Glas,dünnflüssig werdend, die noch eingeschlossenen Gasblasen mit Leichtigkeit ent-weichen läßt. Die Glasmasse gerätst hierbei in lebhaftes Schäumen, und die durchdas rasche Aufsteigen der eingeschlossenen Blasen hervorgerufene, lebhafte Bewe-gung im Hafen mengt die noch ungleichmäßigen Schichten des die Consistenzdünnen Syrups besitzenden Glases durch, und vermittelt hierdurch das Zustande-kommen der gewünschten Homogenität der ganzen Masse. Solches Durchmengen
Eine derartige Explosiva, in Folge deren ein Brunnen, in den Galle gegossenwurde, einstürzte, führt, aus neuester Zeit, Flamm, in seinem Vsrrisr äusiöots an.