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Die Schmelze.
des Glases zu unterstützen, rühren manche Hütten, zu Beginn des Lauterns, denInhalt ihrer Häfen nochmals , mit einem frischen Holzscheite durch (maolags änvsrrs), dessen Wasserdampf, und sich bildende Destillationsproduete, durch dasGlas entweichend, ein Aufwallen des letzteren bewirken, oder veranlassen ein solchenergisches Wallen dadurch, daß sie, während des Lauterns, ein Stück Arsenikvon etwa 200 bis 300 Z in den Hafen werfen, welches untersinkend, reichlichenDampf entwickelt. Andere stoßen — angeblich eine deutsche Erfindung — einefrische Kartoffel, mittelst eines eisernen Stabes, auf dessen eines Ende sie gespießtworden, in den Hafen, bis auf den Boden, hinab, und erreichen hiermit dasselbeResultat.
Die zu Anfang des Heißschürens lebhafte Gasentwickelimg nimmt währenddes Fortganges der Läuterung allmälig ab, und nach dem Verlaufe von etwa 6 bis 8Stunden, schwimmen nur noch wenige, im Durchmesser bis 0'5 om große Blasen aufdem glänzenden Spiegel der Oberfläche des geschmolzenen Glases. Ist die Schmelzesoweit regelrecht verlaufen, so rinnt das Glas, wird eine Portion desselben ausdem Hafen entnommen, rasch von dem Probehaken, mit dem solches geschah, ab,zeigt keine feinen Blasen mehr und läßt sich zu dünnen, glatten, und knotenfreienFäden ausziehen. Die Läuterung ist dann als beendet anzusehen, und beginntnun ein Abgehenlassen der Ofentempcratur:
„Das Kaltschüren" (tiss-kroici, oolä-tirinZ), durch das ein „Ab-stehen" des Glases, bis zu der die Ausarbeitung gestattenden Consistcnz, sowieeine Hemmung der Bewegung im Hafen bezweckt wird. Um die erforderlicheAbkühlung des Ofens zu bewirken, wird zunächst kein neues Brennmaterial auf-gegeben, und werden die Arbeitslöcher, wenigstens thcilweise, geöffnet. Beginntdie Brennstofsschicht dünn zu werden, so werden die Zwischenräumc des Rostes mitLehm, dem etwas Stroh beigemengt, verschmiert. Die im Glase noch vorhandenengroßen Blasen steigen jetzt ruhig an die Oberfläche, und zerspringen hier; ganz kleine,durch das bei der hohen Temperatur sich verflüchtigende Alkali gebildete, contrahirensich und verschwinden, die Dünnflüssigkcit der Masse nimmt allmälig ab und nachetwa 2 bis 3 Stunden ist das Glas bis auf den gewünschten Grad erkaltet.Nachdem der Schmelzer, oder der Hüttenmeister, an einer, entweder am Probe-haken, oder an der Pfeife aufgenommen, und im letzteren Falle zu einer kleinenHohlkugel aufgeblasenen Probe sich von der Beschaffenheit des Schmclzproductesüberzeugt, fängt der Schürcr nun an, den Ofen für das Ausarbeiten vorzubereiten.Zu diesem Zwecke macht er „die Gluth" (Uraiss), indem er, über die ganzeLänge der verschmierten Rosten hin, eine 30 bis 50 ein mächtige Schicht eineszuvor angefeuchteten Gemenges von grober Stückkohle und Kohlenklein ausbreitet,und solche mittels einer langstieligen, flachen Schaufel festschlägt. Diese Kohlen-schicht geräth, in Folge der im Ofeninnern herrschenden hohen Temperatur, raschins Glühen, verbrennt aber, sehr ungenügend mit Luft versorgt, nur langsam, undgenügt hierdurch, den Ofen, ohne daß neues Brennmaterial aufzugeben wäre,während der Zeit der Ausarbeitung auf der erforderlichen Temperatur, einer hellenRothgluth, zu erhalten. Ist die Gluth gemacht, so zeigt sich durchgängig der Ofenüber Erforderniß abgekühlt; um ihn, und das Glas, dann wieder anzuwärmen,giebt der Schürer eine Portion lockerer, möglichst gasreicher Kohle auf, und animirt