Wasserglasfabrikation. 181
in der Fabrik von R. Rumney in Manchester, die sehr bedeutende QuantitätenWasserglas producirt, das beschwerliche Ausschöpfen beseitigt worden, indem dasGemenge von Sand, Soda und Holzkohle in einem vertieften Flammenherde,einer Wanne, geschmolzen wird, das fertig geschmolzene Product dann aus einerin der Sohle der Wanne angebrachten Abstichöfsnung, in ein neben dem Schmelz-herde angebrachtes Wasscrbassin fließt, hier abgeschreckt wird, und durch solches Ab-schrecken rissig geworden und zerkleinert, nach schwacher Abtrocknung, in festemZustande in den Handel gebracht wird.
Behufs seiner Lösung in Wasser wird das feinzerbröckelte oder gepulverteGlas in eiserne Kessel, in welchen sich das fünf- bis sechsfache Gewicht der auf-zulösenden festen Masse an Wasser befindet, Portionweise eingetragen, und, unterzeitweiligem Ersatze des verdampfenden Wassers, so lange gekocht, bis keine hartenStücke mehr vorhanden sind. Um den bei solcher Lösung zurückbleibenden schlammi-gen Rest flockiger abgeschiedener Kieselsäure von der Flüssigkeit, in der er suspendirtist, zu trennen, überläßt man die trübe Lauge sich selbst, der Schlamm sinkt baldzu Boden, und kann, ist solches geschehen, die klare Lösung des Silicats abgezogenwerden. In den Handel kommen namentlich zwei Lösungen von bestimmter Con-ccntration, deren eine 33 Proc., die andere 66 Proc. festes Silicat enthält.
Neben der beschriebenen Herstellung des Wasserglases durch Zusammen-schmelzen von Kieselsäure und Natron, sind noch ein paar andere Fabrikations-wcisen gebräuchlich, von denen die eine, das Vereinigen der Kieselsäure mit demNatron auf wässerig flüssigem Wege, im großen Maßstabe zuerst von Kuhlmanneingeführt worden ist.
Wie schon Fuchs 1829, stellt auch Kuhlmann in Alle das Wasserglasdurch Auflösen von Kieselsäure in Alkalilauge dar, und zwar wendet er Feuer-steinpülvcr an, das in caustischer Natronlauge in eisernen Kesseln, unter einemDrucke von 6 bis 8 Atmosphären, gelöst wird. Liebig proponirte i) an Stelledes Feuersteinpulvers den, aus Kieselpanzern gewisser mikroskopischer Infusorien(kol^tllslamisn) bestehenden, Kieselguhr, der sich hier und dort in mächtigenLagern, so z. B. unter der Lüneburger Haide, findet, zu benutzen. ^Diese sehrvoluminöse und in caustischem Alkali sehr leicht lösliche Infusorienerde, von ver-schiedenen Fundorten, und in verschiedener Tiefe den Lagern entnommen, ergabbei analytischer Prüfung die nachstehenden Zusammensetzungen:
Infusorienerde
von Oberohe bei Netzen, von Hützel (Amt Sorau)
nach Wicke 2) nach Sauerwein 3)
Kieselsäure.
87-86
74-50
86-44
80-92
Eisenoxyd Thonerde .
0-86
0-39
3-12
5-35
Kohlensaurer Kalk . . .
0-75
0-34
1-31
1-50
Organische Substanz . .
2-28)
24-40
2-31
3-89
Wasser.
8.43)
6-75
7-90
100-18
99-63
99 93
99 56
i) Dingler's Journ. 143, 210 . — 2 ) Arm. der Chemie und Pharmacie ( 1856 ), 95,292 .- 3 ) Infusorienerde, und ihre Verwendbarkeit zu Wasserglas. Dingler's Journ. 72,396.