Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
182
JPEG-Download
 

182 Wasserglasfabrikation.

Nach Liebig's Vorschrift werden 74'5 LZ calcinirter Soda in der fünf-fachen Menge kochenden Wassers gelöst, und wird die Lösung, nach Zusatz von42'5Lg- gebranntem Kalk, der vor seiner Verwendung abgelöscht worden, so langegekocht, bis ein kleiner Theil der abfiltrirten klaren Flüssigkeit, auf Zusatz einerSäure, nicht mehr braust, die Soda somit vollständig in caustischcs Natron um-gewandelt worden ist. Nach dem Absetzenlassen des Kalks wird die klare Flüs-sigkeit abgezogen, der Kalk mit Wasser ausgekocht, dieses Waschwasser mit derzuerst abgezogenen Flüssigkeit vereinigt, und die so gewonnene Gesammtmengc derLauge bis zu dem spccif. Gewicht 1'15 abgedampft, bei dem sie dann circa 10 Proc.Natron enthält. In die siedende Lauge werden allmälig 120 LZ Infusorienerdeeingetragen, und nachdem sich diese gelöst hat, der braungefärbten Flüssigkeit 3 1Kalkwasser zugesetzt, wodurch sich die, die Braunfärbung veranlassende, beigemengteorganische Substanz, an Kalk gebunden, in Form eines flockigen Niederschlagesabscheidet. Die von diesem Niederschlage abgezogene Lösung wird bis aufSyrups-consistenz eingedampft, und erscheint dann, nach dem Erkalten, als schwach gelblichgefärbte Gallerte, die an der Luft vollkommen eintrocknet, sich in heißem Wasserleicht löst, und etwa 45 Proc. wasserfreies Natronsilicat enthält, dessen Zusam-

mensetzung in zwei Analysen gefunden wurde:

I. II.

Kieselsäure .... 72'9 74'39

Natron.27'1 24'65

lOO'O 99'04

Bei einem neuerdings angestellten Versuche, durch Kochen von „dams",eines sich in den Ardcnnen in großen Massen findenden, weichen Gesteins, dascirca 80 Proc. Kieselsäure, wovon die Hälfte in löslicher Form, enthält, mitNatronlauge, Wasserglas herzustellen, gelang es Scheurer-Kestner nur, einbasischeres Product, der Zusammensetzung:

Kieselsäure .... 68'7Natron.31'3

1000

zu erlangen i).

Bereits 1863 ließ sich Gossage für England ein Verfahren Patentiren,nach dem Kochsalz durch gleichzeitige Einwirkung von Wasserdampf und Kieselsäure,in der Glühhitze besonders construirter Oefen, direct in Natronwasserglas ver-wandelt werden sollte 2). Eine ähnliche directe Verwerthung des Kochsalzes zurBildung von kieselsaurem Natron versuchte auch A. Ung er er 2),^ gewann aberhierbei, indem er in seinen Flammofen, durch Aussparungen in der Sohle, aufder das Gemenge von Sand und Kochsalz lag, Wasserdampf einführte, nur einunvollkommen zersetztes, kochsalzhaltiges, und nicht völlig durchgeschmolzenesProduct, das zwar, als, mit den entsprechenden Zusätzen zu verschmelzendes, Roh-material für manche Zweige der Glasfabrikation recht brauchbar, als Wasserglasindeß bisher unbenutzbar geblieben ist. —

1) Oomxt. i-snck. 72, 767. — 2 ) Dingler's Journ. 168, 224.

s) Dingler's Journ. (1870), 197, 843.