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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Gruppirung der Producte der Glasfabriken.

2 nicht couform. Andererseits gelangt Etwas, auf das es mir bei einer prak-tischen Gruppirung der Gläser des Handels vor Allem anzukommen scheint, dieVerschiedenheit der Bearbeitung, die auch in Knapp's Eintheilung nicht ge-nügend betont erscheint, gar nicht zum Ausdrucke.

Bei der Besprechung der Fertigstellung der verschiedenen Producte der Glas-hütten, die den Gegenstand der folgenden Abschnitte bildet, habe ich daher diebisher übliche Anordnung aufgeben zu müssen geglaubt, und an ihre Stelle eineneue, auf die Art und Weise der ersten Formgebung der zu fertigenden Ob-jecte gestützte Gruppirung durchzuführen versucht, die, hat sie auch unzweifelhaftihre Mängcl, sich mir durch Durchsichtigkeit und Einfachheit zu empfehlen schien.

Läßt man zunächst gänzlich außer Acht, welcher Art Producte geliefertwerden sollen, so kann das durch die Schmelze gewonnene Glas entweder directbis zum Erstarren abgekühlt, oder aber behufs seiner Verarbeitung in flüssigemZustande erhalten werden. Ersteres geschieht, wie bereits genauer beschrieben,z. B. bei Wasserglas und der Smalte, bei denen das Schmelzproduct rasch abge-kühlt wird, es findet aber ebenfalls beim optischen Glase, so wie bei den zurMosaikanfertigung hergestellten Glasflüssen statt, und zwar bei den letzteren lang-sam, damit die Masse, deren Form vorläufig noch gleichgiltig, für spätere for-mende Bearbeitung brauchbar bleibe, und nicht, wie bei raschem Erkalten, sprödeund rissig werde.

In höherer Temperatur ist das Glas weich und bildsam, es besitzt einegewisse Zähigkeit, die seine Bearbeitung vor der Pfeife und Zange ermöglicht,noch heißer gehalten endlich, ist der Fluß mehr oder weniger dünnflüssig, hat indiesem Zustande die für die Verarbeitung vor der Pfeife und Zange erforder-liche Zähigkeit allerdings eingebüßt, eignet sich aber nun dazu, in Art der ge-schmolzenen Metalle, in Formen gegossen zu werden.

Im Anschlüsse an das bereits besprochene:

I. Glas das, rasch erkaltet, einer formgebenden Behandlungüberhaupt nicht unterliegt (Wasserglas und Smalte)

sind dann im Folgenden, entsprechend dem eben angeführten Verhalten des Glases,die übrigen Producte der Glasfabriken unter die Gruppen vereinigt:

II. Glas, dessen mechanische Bearbeitung erst nach langsamem,völligem Erstarren der Masse beginnt (optisches Glas und Flüsse).

III. Glas, das mäßig abgekühlt, in noch halbflüssigem, zähemZustande geformt wird (vor der Pfeife und mit der Zange gearbeitetes Glas).

IV. Glas, bei dessen Formung der bei hoher Temperatur dünn-flüssige Zustand benutzt wird (gegossenes und gepreßtes Glas).

Je nach den Eigenschaften, die bei den auf einem der aufgeführten dreiWege gewonnenen Productcn, entweder als für die fertige Waare, oder für dieArt ihrer Herstellung wünschenswert!), besonders betont werden, wird selbstver-ständlich oft schon die Zusammensetzung der Grundmasse verschieden, daher schondas Gemenge und, hierdurch bedingt, auch die Schmelzweise von der oben beschrie-benen abweichend angeordnet werden müssen. Auf solche Abweichungen wirddann bei den betreffenden Gläsern näher einzugehen, und daher auch in die fol-genden speciellen Abschnitte Manches aufzunehmen sein, was zur formgebenden