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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Optisches Glas.

Behandlung eigentlich nicht gehört, sollte aber möglichste Uebcrsichtlichkeit desStoffes gewahrt, und unnütze Wiederholung vermieden bleiben, nicht wohl anbesonderem Orte zusammengehäuft werden konnte.

ii. Glas, dessen mechanische Bearbeitung erst nach vorhergehendemlangsamem völligem Erstarren beginnt.

1. Optisches Glas. Reicht auch der Gebrauch gläserner Linsen füroptische Zwecke bis in das XIII. Jahrhundert unserer Zeitrechnung hinauf, umwelche Zeit wir Brillengläser zum ersten Male, und zwar in Pisa erwähntfinden^), so waren solche Linsen doch nur aus gewöhnlichem Glase hergestellt,und ist die Fabrikation direct für optische Zwecke componirten und geschmolzenenMaterials erst eine Erfindung des ersten Drittels unseren Jahrhunderts. Selbstnachdem der berühmte englische Optiker Dollond, bei seinen Arbeiten durch dieMathematiker Euler und Klingenstierna unterstützt und gefördert, 1753erkannt hatte, daß zur Herstellung achromatischer Linsen zwei Gläser von ver-schiedenem Brcchungs- und Zerstreuungscoefficienten, der specifisch schwere Blei-krystall (Flintglas) und das gewöhnliche englische Tafelglas (Crownglas) com-binirt werden müßten, blieben er, wie die übrigen Optiker seiner Zeit, zunächst nochdarauf angewiesen, sich die geeigneten, fehlerfreien Stücke, die namentlich in Flint-glas schwer zu beschaffen waren, aus den Bruchstücken dicker Gefäßböden rc. auszu-suchen, und gewannen hierbei oft aus 100 Pfund solcher Bruchstücke kaum einStück, das, einigermaßen fehlerfrei, für ein Objectiv von 3 Zoll Durchmesser dasgeeignete und genügende Material hergab.

Das steigende Bedürfniß nach fehlerfreiem Flintglas, das nicht nur keineRampen und Schlieren zeigen, sondern auch von der, je höher das specifischeGewicht des Glases, um so mehr sich einstellenden Inhomogenität in Zusammen-setzung und Brcchungsvermögen verschiedener Schichten, frei sein mußte, wennes für optische Zwecke verwendbar sein sollte, veranlaßte noch am Schlüsse desvorigen Jahrhunderts die Pariser Akademie zur Aussetzung eines bedeutenden

0 Ungeachtet in einem Grabe bei Nola ein, ursprünglich in Gold gefaßt gewesenesvlanconveres Glas von 5'89 ein Durchmesser gesunden wurde, so wie, daß Seneca(tznasst. nat.) anführt, daß eine mit Wasser gefüllte Glaskugel die Buchstaben einerSchrift vergrößere, ferner Plinius (trist. not. 37, 28) die Anwendung von Kry-stallbrenngläsern erwähnt, sowie (ebendas. 64) erzählt, Nero habe den Kämpfen der Gla-diatoren durch einen Smaragd zugesehen:iicksin xlsrningns oonoavi, nt visnraooltiMut", endlich nicht Wohl zu verstehen ist, wie der äußerst feine Schnitt vielerGemmen ohne optische Hilfsmittel erreichbar wäre; sind die meisten Fachleute, so Minu-toli:Ueber Anfertigung und Nutzanwendung der farbigen Gläser bei den Alten"(Berlin, Steffen, A. C. 1836) S. 4 und 5, bisher der Ansicht, der Gebrauch derLinsen sei bei den Alten nicht erwiesen.

Dielßno^oloxsclis in lotio" 17, 98 überliefert in dieser Beziehung Pas nach-stehende Citat aus Spon's Rsobsrebss cks-ntieg. äiss. 16Iwatsr 8xina osnlariaab aliezuo prirno Isota, st oonnnunisars nolsnts, anckivit, ixss tssit" (Spinach 1313). Diese Angabe stimmt überein mit einer anderen, auf einem Florentiner Leichen-stein, (Sanzay: 1-s. vsrieris, p. 284 nach Dsoxolcio äslNiAÜors) auf dem 8alvinock'Xrrnato aus Florenz, gest. 1317, als Erfinder der Brillen geuanni wird.