192 Optisches Glas.
mehr, er starb 1823 I, nach einer anderen Angabe 1816 2), ohne sein Geheimnißverkauft zu haben.
Auch der „astronomischen Gesellschaft" in London hatte Guinand seinGeheimniß zum Kaufe angeboten, aber auch hier war man nicht handelcins ge-worden. Es wurde daher in England eine Commission gebildet, die ein brauch-bares Verfahren für die Flintglasfabrikation ausfindig machen sollte. Indeß,trotz der Betheiligung von Männern der Wissenschaft wie Herschel und Faraday,sowie Praktikern wie Dollond und Pellat, und der sehr bedeutenden Mittel,die der Commission zur Verfügung gestellt waren, blieben die englischen Bemü-hungen ohne praktischen Erfolg. — Neben dem älteren Guinand und Merzerwarben sich um die Fortbildung der Flintglasfabrikation namentlich Bontemps,sowie Guinand's Enkel Feil große Verdienste. Bontemps, der sich auf dervon ihm geleiteten Hütte zu Choisy-le-Roy bereits andauernd mit der Herstellungvon Bleikrystall beschäftigt hatte, erwarb in Gemeinschaft mit dem Pariser Op-tiker Lerebours, im Jahre 1827, von einem Sohne Guinand's das Geheimnißseines Vaters. Nach unter dieses jüngeren Guinand's Leitung wiederholtmißglückten Probcschmelzcn, bei denen er sich recht mangelhaft orientirt erwies,übernahm, wie er solches selbst berichtet I, Bontemps die Leitung der gemeinsamfortgesetzten Schmelzversuche, und gelangte nun rasch zum erwünschten Ziele, sodaß er bereits im folgenden Jahre der Pariser Akademie, von letzterer gut befun-dene Flintglaslinsen von bis 30 om Durchmesser vorzulegen im Stande war.Vorläufig blieb die Art und Weise der Herstellung auch in Frankreich Geheimniß,bis 1840 sowohl Bontemps, als Guinand, jeder selbstständig, auf Veranlassungder „Lovists ä'snoouraZsiusnt" dieselbe veröffentlichten I und von der genanntenGesellschaft, in Anerkennung ihrer Verdienste um die Einführung der Fabrikationoptischen Glases in Frankreich, mit einem 1837 ausgesetzten Preise von lO OOO Fr.belohnt wurden. —
1848 verließ Bontemps Choisy-le-Roy, ging nach England und führtedie Flintglasfabrikation auf dem großen Etablissement von Chance Brothers LComp. in Birmingham ein, welche Fabrik dann bereits auf der Londoner Aus-stellung von 1851 eine rohe, vom Pariser Observatorium erstandene, Flintglas-linse von 74 om Durchmesser (circa 200 schwer) auszustellen im Stande war.
Der Consum an Flintglas für achromatische Objective hat sich seitdem,namentlich durch die Verwendung derselben in Photographischen Apparaten, sehrvergrößert; ihre Herstellung ist, vornehmlich durch Bontemps' Bemühungen,eine weit sichere geworden, und hierdurch ihr Preis in einem Verhältnisse gesunken,wie ein ähnliches sich wohl bei keiner anderen Waare des Handels finden dürfte.Während im Anfange unseres Jahrhunderts, wo das Gelingen des Glases noch sehrvon der Gunst des Zufalls abhing, Linsen von 33 om Durchmesser noch mit40 000Fr. bezahlt wurden b) notirt Bontemps dieselben in erster Qualität, bei derAbwesenheit von Fehlern garantirt wird, 1868, 1. o. mit nur noch 900 bis 1000 Fr.
ft Stein: Glasfabrikation S. 195. — 2) Ilonas lstzous x. 548.
b) Ouiäs «In vsrrisr x. 653.
KnIIstin äs la sosists «l'llluoouraASinsut xonr I'inänstris nationals 39,400 st 469. Dingler's Ionen. 79,44 und 80, 35. — Knapp: Chcm Techno!. 1,119 Anm.