21 »
Künstliche Steine. Strich.
bereits im Abeudlande recht gesucht, und zur Tecoration von billigeren Schmuck-gegenständen, sowie von Cassetcn, Reliquiaren, gemalten Fenstern und Anderemverwandt, nunmehr auch auf den venetianischen Schiffen den wilden Barbaren-stämmen zugeführt wurden. Besonderen Ruf besaßen, als Berfcrtiger derartigerImitationen, um die Zeit des 13. Jahrhunderts die Benctiancr ChristoforoBriani und Domenico Biottich.
Spätere Jahrhunderte entwickelten die Kunst der Steinimitation weiter, undbenutzten immer ausschließlicher nur die stärker lichtbrechenden Bleigläser. BereitsRcri bringt eine Fülle von Recepten zu derartigen Compositionen. Als Basisdient ihm ein Bleiglas, da mit solchem „wir die Farben der orientalischen Edel-gesteine nachahmen können, welches mit dein Krystall, oder andern dergleichenGlase nicht geschehen kann". Neri's Composition besteht aus 15 Theilen »tritt»,or^staUr" (100 Sand und 65 Thle. mehr oder weniger reiner, gereinigter, vege-tabilischer Soda) und 12 Thln. Blciglättc, und wird aus dieser das farblose Glasdurch wiederholtes Abschrecken in Wasser und Umschmelzen, zuvor rein und blankhergestellt. Eines ganz ähnlichen Bleiglases bedient sich dann auch Kunckel,und benutzt, wie auch bereits Neri, zum Roth färben Kupferhammerschlag nebenKohle oder rothem Weinstein, sowie Gold oder auch Eisenoxyds?); zum Gelb,rothen Weinstein, mit oder ohne Braunstein und Kohle, zum Grün, Kupferoxyd,Eisenoxyd, sowie beide zusammen, zum Blau, Zaffer oder Smalte, zum Violettendlich Braunstein allein, oder diesen und Zaffer.
Bis um diese Zeit von den Glashütten außerhalb Venedigs nur gelegentlichbetrieben, bildete sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts die Fabrikation derfalschen Steine zu einem eigenen Gewerbszweige aus. Joseph Straß er inWien gelang es, ein Bleiglas von vorzüglichem Lichtbrechungsvermögen zu com-poniren, das von ihm sogar zur Imitation des Diamants benutzt wurde, undals „Straß" sich europäischen Ruf erwarb. In Frankreich beschäftigte sich Fon-tanieu gründlicher mit experimenteller Prüfung der Neri-Kunckel'schen Vor-schriften, und empfahl auch eine Menge neuer Compositionen zu farblosen wiegefärbten Steinen^). Ebenso stellte auch Schrader in Berlin eine Reihe vonVersuchen an, und recommandirte 1860 die nachstehenden Compositionen zu farb-loser Grundmasse ^).
Straßgemenge:
weicheres
härteres
Gemahlener Bergkrystall . .
. . 100
100
Mennige.
. . 25
16-7
Kohlensaures Natron . . .
. . 50
33-3
Gebrannter Borax . . . .
. . 37-5
25-0
Salpeter.
. . 12-5
6-5
225-0 180-5
Jlg: „Die Glasindustrie Venedigs im Mittetalter": Theirich's Blätter für Kunst-gewerbe (Wien, Waldheim 1872) 1, 29. — 2 ) blno^olox. p»r orcl. ckss rnat. Lrts.1. 8, x. 501 st L — 3) Ehern. Technologie 2, 191.