Künstliche Steine.
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2. Künstliche Steine »nd Flüsse.
Schon in sehr alter Zeit finden wir das Streben, kostbare Steine in durchSchmelzen hergestellten Flüssen nachzubilden, auf den Glasfabriken recht verbreitet,und mag auch vielleicht, wie Sempcr solches behauptet st „die älteste Bereitungkünstlicher Steine mit der betrügerischen Nachahmung echter Edelsteine nichts gemeingehabt haben", das Ziel derselben vielmehr dahin gegangen sein, „durch Kunst demSteine die ihm fehlende Rhythmik seiner mehr zufälligen Reize zuzutheilen, dieNatur zu arrangircn und zu verbessern", nachweislich steht eine schwunghaft betrie-bene Schmucksteinfälschung bereits spätestens in der luxuriösen Zeit des kaiserlichenRoms in bestem Flor, und machte glänzende Geschäfte 2), obwohl manche charak-teristische Unterschiede zwischen Glasflüssen und ächten Steinen, so das geringerespecifische Gewicht und die geringere Härte der ersteren, bekannt waren, die falschenSteine auch meist feine Bläschen und Schlieren erkennen ließen, weniger feinePolitur annahmen, und durchgängig geringeren Glanz besaßenst.
Von Rom übertrug sich, wie wir gesehen, eine kunstverständige Glastechnikauf Byzanz, das sie weiter entwickelte, und dessen (vitrnm Zrusonm), sowie Romsfarbige Gläser dann noch zur Zeit des Mittelalters, in Gegenden, in denen manmit der Herstellung gefärbter Glasflüsse weniger vertraut war, umgeschmolzen undauf falsche Steine umgearbeitet wurden st. Wenn auch nicht durchgängig, sowar es bei Herstellung derartiger Imitationen doch häufig auf Täuschung desPublicums abgesehen, gelang diese nicht, so war der Preis der Steine, die allemAnscheine nach bereits im XIII. Jahrhundert in großer Menge auf den Marktgebracht wurden, nur ein geringerst.
Aber nicht nur umgeschmolzene antike Gläser, auch direct zu solchem Zweckecomponirtc Bleiflüssc, denen durch Zusatz verschiedener Metalloxyde, so namentlichdes Kupferhammerschlagcs und des Eisenoxydes, verschiedene Färbung ertheiltwurde, kommen bereits zu Zeiten des Heracliusst und des Theophilus vor.Schon um diese Zeit war eine fabrikmäßige Herstellung falscher Steine, wohl ausdem Orient importirt, in Venedig heimisch geworden, und gewann namentlich nachder Reise Marco Polo's großartigere Verhältnisse, da ihre Erzeugnisse, bisher
Semper, G.: „Der Stil in den technischen und tektonischenKünsten" (München,Brnckmann, 1860) 2, 189. 2 ) — nsgns sniin sst ulla Irans vitas inerosior
klin. üist. nat. 37, 197. — st I?Iin. bist. not. 37, 199.
st Hsraelins, 1, 14: „8i sx koinano xotsris vontiosrs vitro 8xlsncksntsspnleros Asnsris ensnsixus lapillos". Dllsox>llilns, 2, 12: „Invsninntnr in an-tignis aslliiioiis xnMnarnin, in rnnsivo opsrs, äivsrsa Asnsrn vitri — <xnaseolliAunt iransi, in lioo oxsrs xsritissiini, st ssxllirsurn ezuiäsrn lunckunt inInrnis snis." —
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Glassabrikativn.