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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Hohlglas.

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Glas, das mäßig abgekühlt, in noch halbflüsstgem zähen Zustande

geformt wird.

Bei Besprechung der Herstellung der bisher behandelten Producte der Glas-industrie, hatten wir es mit einer Fabrikation zu thun, die ihre Aufgabe gelösthatte, wenn sie eine Glasart von bestimmten Eigenschaften geliefert. Fast aus-schließlich die Güte des von ihr gestellten Materials fiel für Beurtheilung derLeistungen einer solchen Fabrik ins Gewicht und, kam.auch gelegentlich eine roheGestaltung vor, so gehörte die Vollendung der Form, in so weit eine solche über-haupt verlangt wurde, nicht mehr zu den Aufgaben der Hütte, oder in directemuntrennbaren Zusammenhange mit ihr stehender Anstalten.

Im Folgenden treten wir nun auf ein anderes Fabrikationsgebict über, aufdem nicht mehr nur eine oder die andere Glasmasse, als Rohmaterial für die ver-schiedenartigste Verwendung, producirt wird, sondern auch einAusarbeiten^,Bilden und Gestalten des hergestellten Flusses zu den, ihrem Zweck, und demgemäßauch ihrer Form nach, so mannigfaltigen Glasgcgcnständcn, des täglichen Gebraucheswie eines verfeinerten Luxus, die durch jahrhundertelange Verwendung uns zumgroßen Theil so gut wie unentbehrlich geworden, stattfindet, und nicht in regelrechteForm gebrachtes Glas nur noch zu den Fabrikationsabfällcn zählt.

Wie bereits einleitend angedeutet, umfaßt die Technik der Gestaltung desGlases zahlreiche Einzclarten der Bearbeitung, die, oberflächlich betrachtet, oft wenigmit einander gemein zu haben scheinen; wie aber die Metallbearbeitung, so läßtsich auch die Bearbeitung des Glases in zwei große Gruppen theilen, und wiebei jener dem Gießer der Schmied, so steht auf dem Gebiete der Glasfabrikationdem Gießer der Bläser, als von anderen Principien ausgehender Bildner gegen-über, und ist die Technik dieser beiden, je nachdem das zu verarbeitende Materialnur weich und zähflüssig, oder aber in dünnflüssigem Zustande von ihnen inAngriff genommen wird, eine vielfach von einander abweichende. Wenn wir unsim Nachstehenden zunächst der ersteren dieser Gruppen, der Bearbeitung der zähenMasse, dem Blasen zuwenden, so betreten wir damit dasjenige Gebiet unsererIndustrie, für das bereits die altears vitriaria" die wesentlichsten Ausarbeitungs-methoden aufgefunden, auf dem sie sich völlig heimisch fühlte, und, Werke liefernd,deren Herstellung uns noch heute gerechte Bewunderung abnöthigt, ihre größtenErfolge errang.

Bon der hohlen, zunächst kugelförmigen, aber zähen und dehnbaren Blase,und dem Vollcylinder, als ersten Formelementcn ausgehend, entwickelte sich aufdiesem Gebiete unserer Industrie eine Mannigfaltigkeit der Gestalten, die mitRecht schon das Staunen des Alterthums erregte, und mit einem Minimum vonWerkzeug beherrscht hier, wie damals, so noch heutigen Tages, der Glasbläserdas große Productionsgebict, dessen Grenzen einerseits die ordinäreBocksbeutel-flaschc", andererseits der, heutigen Tages allerdings bald zu den Seltenheitenzählende, geblasene Spiegel von größten Dimensionen, die wunderbarsten, wiewunderlichsten Leistungen der hochentwickelten venetianischen Glasmacherkunst, undBrunfant's mit der Seide concurrirende Glasgespinnste bezeichnen.

Glasfabrikation. 15