226
Hohlglas.
Um eine Orientirung unter den auf so umfassendem Gebiete zur Ausübungkommenden Bearbeitungsweisen des Glases uns zu erleichtern, sehen wir uns ^
genöthigt, dieselben, nach den durch sie gewonnenen Producten, womöglich in ^
Gruppen zu theilen, und ergeben sich dann schon bei oberflächlicher Betrachtung ^
zwei solche, die in einem gewissen Gegensatze zu einander stehen. Die erste der- ^
selben, das Hohlglas, und das Stab- oder Fadenglas umfassend, läßt selbst in ^
ihren kunstvollsten Objecten die Grundelementc der Formgebung: Blase und Stab, ^
klar zu Tage treten, oder doch wenigstens erkennen; die andere dagegen, das Tafel-glas, verläugnct dieselben im fertigen Producte vollständig, so daß, sind wir, wie ^
bei einigen antiken Scheiben, über die Art und Weise der Herstellung in einem ^
speciellen Falle nicht vorher orientirt, solche nur aus Nebensächlichem gelegentlich ^
erschlossen werden kann. r
Jede der beiden großen Gruppen umfaßt ein weites Feld, und für jede der- ^
selben hat, spätestens bereits seit dem dreizehnten Jahrhunderte, eine immer weiter ^
gehende Arbeitstheilung, auch in dem Sinne, stattfinden müssen, daß von einem . .
und demselben Etablissement nur eine oder wenige Arten von Producten geliefertwurden. Ohne hier der in neuester Zeit oft auf die Spitze getriebenen Spcciali- ^
sirung der einzelnen Hütten, die, wenn auch immerhin praktisches Erfordernis, ^
für unseren Zweck nicht von Bedeutung, folgen zu wollen, sehen wir uns doch ^
genöthigt, im Nachstehenden auch die hier zunächst zu besprechende Hohlglasfabri-katio n nicht als einheitliches Ganzes, sondern, entsprechend ihrer Theilung in, der ^
Art der von ihr producirten Objecte nach, verschiedene Zweige, in einzelnen Par- ^
tieen gesondert zu betrachten und zwar als: ^
1. Grünglas- oder Boutcillenfabrikatio n und ^
2. Weißhohlglasfabrikation, ^
bet welch letzterer wir, als gesonderte Gebiete, ^
die Fabrikation ordinären halbweißen und weißen Hohlglases (Becher- ^
glasfabrikation),
die Krystall- oder Bleiglasfabrikation .
und endlich, ^
die Fabrikation der Röhren, Perlen, Stäbe und der sogenannten venetia- ^
nischen Kunstgläser, ^
zu besprechen haben werden.
Gla
Die Grünglas- oder Bonteillenfabrikation. ^
Bereits auf den Basreliefs der Königsgräber von Beni-Hassan finden sich '
ein paar Glasbläser knieend dargestellt, die an ihren Pfeifen ein grünliches Glasausarbeiten, und spätestens zur Zeit des Lxockus kommen, nach Gardner- z <Wilkinson, in Egypten bereits Glasflaschen als Weinbehälter, sowie solche, mit ^ ^
einem Geflechte von Papyrusstengcln oder mit Leder überzogen, die wohl demselbenZwecke dienten, vor; ja Flaschen mit chinesischer Inschrift, die in Theben gefunden ^ "wurden, scheinen auf ein noch höheres Alter dieses Fabrikationszweiges im „Reiche