Bouteillenfabrikation. 227
der Mitte" hinzuweisen r). Waren aber auch, wie in Egypten, so in Rom,gläserne verschlossene Weinbehälter vini vibrsao gelegentlich
in Gebrauch y, so pflegte doch bekanntlich das classische Alterthum im Allgemeinenseinen Wein in Thonkrügen zu verwahren, und scheinen die zahlreichen weißen,und halbweißen, meist rundbauchigen und mit langem Halse versehenen Flaschen s),die durch Gräberfunde zu Tage gefördert wurden, wohl nicht zum Lagern von Weinbestimmt gewesen zu sein.
Seit wann die Flaschenfabrikation, durch Cousumption ihrer Producte zurAufbewahrung des Weins, größere Dimensionen anzunehmen begonnen, ist nichtbekannt. Der gewöhnlichen Annahme gemäß, hätte solches erst im XV. Jahrh,stattgefunden, indeß existirte, wie bereits in der Einleitung (S. 9) erwähnt, bereitsseit 1290 die Leempocl'sche Griinglas- und Flaschenfabrik zu Quiquengrogne(Aisne), die noch auf der Pariser Weltausstellung von 1867 vertreten, bis aufden heutigen Tag im Betriebe geblieben, somit wohl überhaupt eine der ältestenbestehenden Fabriken ist.
Die Weinländcr, namentlich Frankreich, blieben die Heimath einer in größeremMaßstabe arbeitenden Grünglasfabrikation, ja es erfolgte in letzterem Lande, woin Folge wiederholter schlimmer Erfahrungen mit in schlechtem Glase gelagertemWein, gesteigerte Anforderungen an die Flasche erhoben wurden, sogar eine Abspaltungder Fabrikation guter dunkeler Flaschen (Vorrsi-is sn vsrrs noir, ou ü lloutsills)von der Grünglasfabrikation (Vsrrsris sn vsrrs ooininun ou ollninbouriu), dienur niederes Product lieferte, und daher allmälig aus den Aussterbeetat gerietst.
Im Allgemeinen gilt das Grünglas für die niedrigste Glassorte, und solchesmit vollem Rechte; insofern nur das Aeußerc der aus ihm gefertigten Producteins Auge gefaßt wird, hat es doch den Anschein, als sei den Ansprüchen, die manan derartige Waare zu stellen vermöge, leicht genügt. Bedenkt man indeß,welcher Menge von Anforderungen, unter denen das „billig und gut" obenanstehtder Flaschenfabrikant gerecht zu werden hat, so ist es klar, daß die gleichmäßigegute Leitung einer Flaschenfabrik dieselbe Sorgfalt, und soll rationell gearbeitetwerden, umfassendere chemische Kenntnisse erfordert, als diejenige mancher anderen,mit aristokratischem Hochmuthe auf die Bouteillenfabrikanten HerabschauendenEtablissements, denen der Preis ihrer Waare nicht auf Heller und Pfennig vor-gerechnet Hu werden pflegt.
Die erste Anforderung, die an eine Flasche erhoben wird, ist die, daß dasGlas, aus dem sie gefertigt, ungeachtet der Fabrikant für Herstellung desselben aufdie billigsten Rohmaterialien angewiesen ist, große Festigkeit und genügende Resi-stenzfähigkeit gegen chemische Agentien besitze, um, wie z.B. beim Lagern des Weines,oft Jahre hindurch mit der von ihm eingeschlossenen sauren Flüssigkeit in Bcrüh-
I /Ills inannsrs anä oustoins ol tks anoisnt (lloiulon 1847)
3, 91 ancl 106. — 2 ) Hamberger: „Vitri llistoria", Oonuusnt. sooisl. düttin-Asiisis 4 (1754) nach Petronius: 8 s.txr. o. 34.
2) Die antiken Flaschen zeigen, so gut wie durchgängig, eine eigenthümliche Bildungdes ausgebogenen Haisrandes. Die Glasschicht ist in diesem Theile eine doppelte, indemder ausladende Rand wieder nach innen umgeschlagen, und hier, oft nur sehr unvoll-kommen, mit der Innenfläche des Halses verschmolzen ist.