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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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247
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Bouteillenfabrikation. 247

wie wir gesehen, meist an den Schmelzofen angebaut, und wurden durch von letz-terem durch eine Oeffnung in der Zwischenwand abgehende Wärme geheizt, eineDisposition, die sich schon durch ungenügende Regulirbarkeit der Ofentemperatur,die gerade bei Flaschenglas, auf dessen Kühlung, wie erwähnt, besondere Sorgfaltverwandt werden muß, nicht sehr empfahl, und gänzlich unbrauchbar wurde, alsmit Verbesserung der Schmelzöfen, und hierdurch ermöglichter Beschleunigung derSchmelze und Ausarbeitung, mehr Kühlöfen als früher erforderlich wurden. Schonwährend der Schmelze aufgeheizt, geht der Kühlöfen kurz vor Beginn der Arbeitin die Hände des Knhlofenpflegcrs " (tonst) über, dessen Aufgabe es nunist, die Ofcutemperatur während der Dauer der Arbeit gleichmäßig, und so hochzu erhalten, als solches das zu kühlende GlaS, ohne durch beginnendes Schmelzenweich zu werden gestattet. Angeblich soll zwar eine Kühlofeutcmperatur von200 bis 300" hinreichen H um gewöhnliche Bouteillen, von den Ansprüchen derPraxis genügender Haltbarkeit, zu liefern, doch ist unzweifelhaft eine weitere Stei-gerung der Temperatur, bis nahe an die, durch das Eintreten einer Erweichungdes Glases gesteckte Grenze, für das aus dem Ofen zu erhaltende Product vombesten Erfolge.

Auf der, mit einer Lage Sand überdeckten Sohle des Ofens stapelt derKühlofcupflegcr die ihm gelieferten Flaschen, nachdem dieselben im vorderstenTheile des Ofens allmälig die gehörige Temperatur wieder angenommen, reihen-weise, liegend übereinander, wobei er sich, um die Flaschen zu fassen, und an ihrenPlatz zu bringen, einer an ihrem einen Ende zugespitzten, in den Hals der Flascheeingeführten Eiscnstangc bedient. Ist in dieser Weise der Kühlraum gefüllt, sowerden alle Oeffnuugen desselben geschlossen und dicht verschmiert, und der Ofenalsdann, behufs allmäliger Abkühlung, sich selbst überlassen. Die erste Abküh-lung des Ofens, die unter keiner Bedingung forcirt werden darf, erfordert wenig-stens 12 bis 14 Stunden, hierauf können einige kleine Oeffnungen, in der vondem Flaschenstapel am weitesten entfernten Borderwand des Ofens, behutsam los-geschlagen, und hierdurch der Außcnluft ein beschränkter Zutritt zmn Ofeninncrnermöglicht werden; doch ist auch jetzt noch jeder stärkere Zug im Kühlraume aufsSorgfältigste zu vermeiden. Nach völligem Erkalten des Ofens wird er entleert,indem sich ein Arbeiter in den Kühlraum begiebt, und die abgekühlten Flaschenherausreicht, die jetzt auf etwaige Fehler untersucht, dann in das Magazin ge-liefert werden, wo sie nach Sorten sorgfältig, liegend gestapelt, aufgespeichertbleiben.

Bei continuirlichcm Betriebe erleidet die Art und Weise der Ausarbeitungkeine wesentliche Abänderung, nur ist eine doppelte Arbeiterschicht erforderlich.Wünschenswert!) ist bei diesem Betriebe, des beschränkteren Raumes auf der Arbeits-bühne vor der Wanne wegen, eine Rednction des auf jedem Platze arbeitendenPersonals auf zwei Mann, denAnfänger" und denFertigmacher", denenein Junge (gelegentlich auch ein Mädchen) nur die Pfeifen von anhaftendemGlase zu reinigen, und die fertig gestellten Flaschen nach dem Kühlöfen zu tragenhat, eine Besetzung, die übrigens in Deutschland auch vor gewöhnlichen Flaschcn-

Knapp: Chem. Technologie 2, 92.