251
Fabrikation halbweißm Glases.
Gemenge berechnete Zusammen-
II. setznng des Glases
Sand.100 Thle. Kieselsäure . . . 72'4 Prvc.
Kalkstein .... 20 „ Kalk. 8'1 „
Glaubersalz ... 70 „ Natron . ... 195 „
Kohle . . . 6 „ 100 0 Proc.
195 Thle.
Der Gang der Schmelze, bei halbweißem Glase, unterscheidet sich nichtwesentlich von demjenigen, der für das gewöhnliche Weißhohlglas gebräuchlich,nur, daß auf das Läutern weniger Sorgfalt verwandt wird; ebenso bietet die Aus-arbeitung der aus diesem Glase herzustellenden Objecte nichts ihr speciell eigen-thümliches. Hier, wie beim feinen Weißglase, giebt der Glasbläser dem vor demOfen aufgenommenen Glase meist sitzend, auf dem „Glasmachcrstuhl" seineFormvollendung, und wird solche Stuhlarbcit im nächsten Abschnitte näher be-sprochen werden.
Eine Ausnahme bildet, in Beziehung auf die Ausarbeitung, die Herstellungdes, neuerdings fast ausschließlich vollständig in der Form geblasenen Medicin-glases, der ebenfalls in der Form gefertigten Cylinder für Petroleumlampen, undder aus freier Hand an der Pfeife gebildeten Ballons und Retorten, für den Ge-brauch chemischer Fabriken, Apotheken und Laboratorien, die alle stehenden Fußesgearbeitet zu werden pflegen.
Die Formen für Medicinflaschen, wie für Lampencylindcr mit oder ohneEinschnürung, sind meist zwcitheilig, und werden nach Erfordcrniß mittelst eines/mit dem Fuße zu regierenden, Hebelwerkes geöffnet und geschlossen. Was dasBlasen der Lampencylindcr angeht, so werden sie zunächst mit einem ihr unteres Endeverschließenden Boden erblasen, letzterer dann nachher abgesprengt.
Um Retorten herzustellen, nimmt der Glasbläser das erforderliche Glas-quantum an der Pfeife auf, marbelt dasselbe, wie zur Herstellung von Flaschen,bläst es auf, und bildet nun, durch Schwenken der Pfeife, mit dem Glase nachunten, zunächst den Retortenhals. Hat dieser die verlangten Dimensionen ange-nommen, so wird wieder angewärmt, doch so, daß vornehmlich das zur Bildungdes Bauches der Retorte noch vorräthige Glasquantum wieder erweicht. DerGlasbläser setzt hierauf seine Pfeife mit dem Mundstücke an die Lippen, hebt,unter andauerndem Einblasen von Luft, das vom Glase eingenommene Ende indie Höhe, stützt die Pfeife oben auf eine an einem Pfosten bei seinem Arbeitsplätzeangebrachte Gabel, oder einen Haken, so daß sie mit der Lothrechten einen Winkelvon circa 45" macht, und bläst, bei dieser Stellung der Pfeife den Bauch derRetorte aus, der, da jedes Drehen der Pfeife um ihre Längsachse unterbleibt,durch sein eigenes Gewicht an der einen Seite sich einknickt und herabscnkt.
Die Herstellung der weitbauchigen und langhalsigen Koch- und Digestions-flaschen, mit dünnem Boden (wohl die älteste Flaschcnform) beschreibt schon Theo-Philus in dem Abschnitte „äs amxntlio vnm lonAo oollcG wie nachstehend ^):
i) Jlg's bereits oben citirte Ausgabe, mit neben dem Originattert stehender deutscherNebersehunq S. 112.