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Weißhohlglasfabrikation.
Fehler bald beseitigt worden, und damit, wie das die Unmasse von gläsernen Ge-säßen des Hausraths, die überall, wohin römische Cultur drang, gefunden werden,beweist I, das Hohlglas zu ausgebreitetstcr Verwendung gekommen zu sein.
Neben Glasgefäßcn für den täglichen Gebrauch war dann in den erstenJahrhunderten nach Christus auch schon gläsernes Prunkgeräth, das wie wir gesehen,schon frühe gelegentlich vorkommt, sehr verbreitet. Dieses gehörte zum Theilallerdings den, in einem späteren Abschnitte näher zu besprechenden Filigran- undMillefioriarbeiten an, war anderentheils aber auch häufig in der Masse gefärbt,oder durch ein- oder mehrfaches „Uebcrfangcn" farbig hergestellt, sowie durchgepreßtes Reliefornament geschmückt (viti-um tllllrs siZittntum), oder mit durchSchliff, der nach Wilkinson bereits unter der XVIII. Dynastie der Pharaonenin Aegypten nachweisbar, hergestelltem, entweder vertieftem 2 ) (intaZIio), odererhabenem 'I (soulxtuna avtz xa, 6amao) Ornament decorirt. Vielfach kommendann neben farbigem Glase auch mit Hilfe der oben, bei Besprechung des Mosaik-goldgrundes beschriebenen Technik hergestellte, goldgrundige (toiräi ä'oro), odermit eingeschmolzenem Goldschmuck versehene Gefäße vor, und wurden solche, nach-dem Pabst Zephyrius im Jahre 202 gläserne Patenen und Kelche, statt derbisher üblichen hölzernen, für den christlichen Altardienst vorgeschrieben, auf denAltären, wie auf den Tafeln der Reichen, sehr häufig ^).
Besonderen Rufes aber erfreuten sich, und galten für besonders kostbar, die,von freistehendem, sich von dem umschlossenen Glase auch durch die Färbung ab-hebendem Netzwerke umgebenen, von römischen Dichtern mehrfach gepriesenen")„VN8N äiatrsls," Prachtgefäße, von denen nur einzelne (6) noch bis aus unsgekommen °). Das erste derselben, ein Gefäß aus farblosem Glase, mit blauemfreistehendem Netzwerk und der in derselben Weise angebrachten grünen Inschrift:818^ VIVH8 MVI.H8 äkMI8 wurde im Jahre 1725 im No-varesischen gefunden, und von Winckclmann beschrieben und abgebildetI.Nach letzterem wären Netzwerk, wie Schrift, die das Glas umgeben, rein Productedes Schleifrades, er sagt hierüber: „Zuverlässig sind an dieser Schale, weder dieBuchstaben, noch das Netz auf irgend eine Weise aufgelöthct, sondern das Ganzeist mit dem Rade aus einer festen Masse Glases auf dieselbe Weise, wie bei denKameen, gearbeitet. Die Spuren des Rades nimmt man deutlich wahr." Ob
I Die Sammlung des Burbon. Museums in Neapel enthält nach Marquardt(Römisch. Privatalterth. Anm. 3070) allein gegen 3000 Nummern Schalen, Lampen,Gläser, Caraffen, Flaschen und Fläschchen aus.Hercnlanum und Pompeji.
2 ) Ein berühmtes Beispiel dieser Art ist der, von Achilles Tanns beschriebene,Mischling (Krater), der von Weinranlen umschlungen war, und in dessen grünliches Glasdie Trauben als Jntagiio eingeschnitten waren, so daß sie, am leeren Gefäß grün undunreif erscheinend, beim Einfüllen des Weines sich rötheten (Marqnardt: röm. Privat-alterthümer Anm. 3082 bis 3086). Auch figürliche Darstellungen, so Prometheus alsMenschenschopfer, und Architeetnranfichten, vertieft eingeschnitten, finden sich mehrfach.
Minntoli, H. v.: Ueber Anfertigung und Nutzanwendung der farbigen Gläserbei den Alten (Berlin 1836), S. 6 und Abbildungen auf Tafel 2. — KrauS: Diechristliche Kunst in ihren frühesten Anfängen (Leipzig 1873), S. 139. — ^ Martial, 12,70. — °) Einzeln aufgeführt bei Marqnardt, I. c. S. 341. — ^) Winckelmann'sWerke 3, 293 und Tafel IX.