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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Weißhohlglasfalmkation.

diese Erklärung indeß unbedingt richtig, dürfte, erscheint sie auch, nach einem kleinenFragment eines derartigen Gefäßes, in der Glassammlung des österreichischenMuseums für Kunst und Industrie, dessen nähere Prüfung mir durch die Gütedes Herrn Dr. A. Jlg ermöglicht wurde, ziemlich wahrscheinlich, da hier einUnterschliffensein der Schriftcharaktere deutlich erkennbar, doch noch nicht feststehen,wenigstens scheint mit solcher Art der Herstellung eine Stelle der Digesten (IX,2, 27 Z. 29), in der von der Anfertigung derartiger Gefäße die Rede, in Wider-spruch zu stehen.

Wenden wir uns der mittelalterlichen Hohlglasfarikation zu, so tritt derSchliff als DccorationSverfahren wieder zurück ^). Venedig benutzt zur Aus-schmückung seiner Producte vornehmlich sein Filigran und mit der Zange (ä. laxinostts) geformte Beigaben, die aufblühende deutsche Industrie vor allein Ande-ren die Glasmalerei. Solch bemaltes Prunkglas kam sehr in Aufnahme, zahl-reiche gläserne Pokale schmückten die Crcdenzen der Reichen, und im 14. Jahrh, findetsich dann auch wieder gläsernes Altargeräth 2 ) ziemlich häufig. Der Geschmackan durch Malerei verziertem Prunkglase erhält sich lange, und noch im 17. Jahrh,genießen namentlich einige deutsche Glasmaler, so Joh. Schaper von Nürnberg,H. Benchert und Joh. Kehll, auf diesem Gebiete großen Ruf.

Mit dem Eintreten des Verfalls der Glasmachcrknnst am Ende des17. Jahrh, schwindet dann auch die Malerei und es werden plumpe Formen mitaufgeschmolzenen Knöpfen rc. immer häufiger, da sich, wie Mathcsius behauptet,die kunst hat endlich müssen nach dem lande richten, daher man allerley kuöpff,steyn und ringlein an die glescr gesetzet, damit die glescr etwas fester und bestän-diger, und von vollen und ungeschickten lcuten dest leichter könnten in feustcnbehalten werden."

In Böhmen brachten angeblich Caspar Lchmann (1609) und sein SchülerGeorg Schwanhard, in Ucbertragung der alten KrystallschlifftcchnikPrags ausdas Glas, das Schleifrad zu Dccorationszwccken zuerst wieder in Anwendung ^).Das vorzügliche Rohmaterial, das der böhmischen Industrie zu Gebote stand, undein gewisses Festhalten am Styl des geschliffenen Bcrgkrystalls, erhielten dannauch die böhmische Glasindustrie, während des, sowohl technischen, wie artistischen,allgemeinen Verfalls dieses Gewcrbszwciges im 18. Jahrh., noch auf einer gewissenHöhe, ünd errangen ihr damals den Ruf besonderer Leistungsfähigkeit, der sichlange erhielt.

Eine merkliche, zunächst von England und Frankreich ausgehende, allgemeineWendung zum Besseren, tritt dann am Ende des 18. Jahrh, wieder Hervor.Englische Hütten vornehmlich lassen das Streben, reines und farbloses Glas zuliefern, erkennen und machen in richtiger Behandlung, namentlich der Bleigläser,rasche Fortschritte. Die französischen Fabriken nehmen den Bleikrystall ebenfallsauf, und, gelang es ihnen auch erst in neuester Zeit, den Engländern in Betreff

0 Rein ornamentale wie figürliche Darstellungen sind, wo sie auf scheinbar ältestenvenetianischen und böhmischen Gläsern vorkommen, fast durchgängig nicht eingeschliffen,sondern mit dem Diamant geritzt, ein Verfahren, das nach Mathesins'8arsxtn"auch 1662 üblich war. tLtosener: Straßb. Ehron. 3. lOa vsrrsrio;

nach Tiallarts: Ilist. äss nrts inllnstr. nn nro^sn Z.AS.