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Alabaster- und Milchglas.
möglichst geringer Hitze verarbeitet; so soll es während der ganzen Zeit des Ver-arbeitens trübe und weiß bleiben.
Daß, in zum Entgleisen geneigtem Glase, das Einbringen fester Körperdie Krystallisation befördernd wirkt, ist durch mehrfache Beobachtungen constatirtworden, und dürste die Kalkarmuth resp. Kalkfreiheit der vorstehend angeführtenGläser, auf die, unter Anderen auch von Pälouze H bestätigte Erfahrung zurück-zuführen sein, daß unter allen bekannten, die reinen Alkalisilicate, so ^iaO, 3 8i O'stsich am leichtesten in dieser Weise verändern, denn, mit entglastem Glase, nichtmit mangelhaft durchgeschmolzenem, haben wir es in derartigen Productcn derHütte zweifellos zu thun.
Zur Herstellung opakerer Massen, der sogenannten Milchgläser, reicht dieleichte Trübung, die durch die vorstehend besprochene Entglasung bewirkt wird, nichtaus. Zu solchem Zwecke werden, bereits seit ältester Zeit, dem Gemenge Substanzenzugesetzt, die die Trübung direct hervorrufen. Am längsten bekannt ist von Trü-bungsmitteln das Zinnoxyd, das schon Ncri recommandirt; Kunckel kennt undempfiehlt dann neben diesem die Knochenasche als besonders geeignet, und schreibtals von ausgezeichnetem Effect die nachstehende Composition vor, die ihm von DanielKrafst, „als der meines Wissens solche auch erfunden hat" mitgetheilt worden 2 ):
Sand.60 Thl.
Gereinigte Pottasche.40 „
Knochenasche.10 „
Er fügt hinzu: „Es hat zwar dieses Glas die Art, daß es erstlich klar und hellaus dem Feuer kommt; wann man es aber einwürmt und verarbeitet, so wirdes entweder gleich dem Opaal, oder aber gantz Bein- und Milchweiß, alles nach-deme man es oft einwärmet, und viel oder wenig gebrandt Hirschhorn oder Knochendarzu gethan hat."
Die Wirkungsweise dieser Substanzen betreffend, so dürfte, nach den ana-logen Erscheinungen, die Wunderin der Löthrohrperle beobachtete, zu urthei-len, wenigstens die Trübung durch Zinnoxyd in einer mikrokrystallinischen Aus-scheidung dieses Oxydes aus seiner Lösung im dünnflüssigen Glase bestehen.
Das Zinnoxyd, wie die Knochenasche, an Stelle deren Schür neuerdingsden phosphatreicheren Baker-Guano empfohlen H, bleiben dann bis auf die neuesteZeit die regelmäßig in Anwendung kommenden Trübungsmittel für milchweißeGläser, und werden dem Glasgemenge in großem Wechsel unterworfenen Verhält-nissen zugesetzt. Da indeß beide die Schwcrschmelzbarkeit des Glases, dem sieeinverleibt, sehr wesentlich erhöhen, bedienen sich die derartiges Glas lieferndenFabriken als Grundlage für ihr Product fast ausschließlich der leichter schmelzbarenbleioxydhaltigen Glasgemenge, die im folgenden Abschnitte nähere Besprechungfinden sollen, oder verwenden, wo solche Gläser zu kostspielig, zum Versatz mit derbilligen Knochenasche nur sehr kalkarme, oder gar kalkfreie Compositionen, wie die
H Erdniann's Journ. 67 (1856), 25. — vitrerria. (Ausabe von 1743),
S.57. — Sf Vergl. Wunder, Journ. f. pr. Ehern. (Zweite Folge) 1, 452; 2, 206; 4,339. — 4) Dingler's Journ. 167 (1862), 27.