Goldrubin. Z19
Wie leicht sich basische, alkalifreie Bleisilicate durch Gold färben, zeigt,daß, als Müller 100 Gewichtstheile Sand mit 258 Gewichtsthcilcn Mennigeund 1 Tausendstel des Gemenges an Gold zusammenschmolz, er ein Glas ge-wann, das schon beim Ansgicßen, dircct nach der Schmelze, die Farbe eines sehrgedeckten Rothweins hatte, bei nachhcrigcm Anwärmen dann, bis zu dem tiefenTon des RoussillonweinS nachdunkelte. Sogar mit O'OOOI Thl. Gold versetzt,lieferte dieses basische Silicat noch ein leicht, und mit tiefer Farbe, anlaufendesGlas.
Bon störcndstem Einflüsse auf die Bildung des Goldglases ist, selbst bei imklebrigen guten Gläsern, ein Gallegehalt, und beruht dann auch wohl die, sich sohäufig wiederholende, Vorschrift, zuerst goldfrcies Glas herzustellen, dieses inWasser abzuschrecken, und dann erst unter Goldzusatz umzuschmclzcn, auf früher,praktischer Erkenntniß der Schädlichkeit der in Wasser löslichen gallebildendcnNeutralsalzc.
Doch selbst wenn der Satz gut gewählt, also ein bleioxydreichcs Gemenge,von der Art der auf Straß- und Flintglas verarbeiteten, znr Verwendung kommt,und keine Galle vorhanden, ist der Erfolg der Schmelze noch kein gesicherter; vongrößtem Einflüsse auf ihn sind, nach Müller's, mit Pohl's Behauptung aller-dings wieder contrastirenden Ergebnissen, der Hitzegrad, und die Dauer derEinwirkung hoher Temperatur während der Schmelze, so wie die Art derAbkühlung der erschmolzenen Masse. Hohe Temperatur, derjenigen des schmel-zenden Roheisens wenigstens gleich, ist unbedingtes Erfordcrniß, soll das beimAnwärmen Rubin liefernde Glas gerathen. Sowohl beim Verschmelzen als guterkannter Gemenge in zu niedriger Temperatur, als beim Umschmclzcn bereitsgut gerathenen Goldglascs bei einer solchen, erhielt Müller wiederholt „durch-gegangenes" „lcbcrigcs" Glas, das im auffallenden Lichte braun und ge-trübt, im durchfallcuden, in einem weichen Tone von Himmelblau erschien, sichsomit einer mit Eisenvitriol gefällten Goldlösung im Ansehen ganz ähnlich ver-hielt. Dieses Blau tritt indeß nur in dickeren Glasschichten hervor, dünneSplitter zeigen, nach Ebcll, unter dem Mikroskop, in durchfallcndcm Lichte, we-der Farbe, noch eine bestimmte Ausscheidung, sondern nur leichte, bräunlichrauchige Trübung, im auffallenden, einen Lichtnebel, und ist das Blau daherwohl nur als Jntcrferenzfarbc aufzufassen. Wurde aus einem guten Gemengehergestelltes, lcbcrig ausgefallenes Glas, bei genügender Hitze nmgcschmolzcn, solieferte es ein vortrefflich anlaufendes farbloses Prodnct.
Die günstigste Dauer der Schmelze betreffend, lassen sich aus Müllcr'SVersuchen, da dieselben in kleinem Maßstabe und in: Esscnoscn des Laborato-riums angestellt wurden, für die Praxis im Großen keine dircctcn Zeitbestimmun-gen ableiten, unzweifelhaft geht aber aus ihnen hervor, daß ein rasches Niedcr-schmclzcn nicht genüge, sondern Glas und Gold, bei entsprechendem, von derGlaszusammensctzung unabhängigem, hohem Hitzegrade, geraume Zeit aufeinandereinzuwirken Gelegenheit finden müssen, soll die Goldaufnahmc eine gute sein.
Von gleicher Wichtigkeit, wie andauernd hohe Schmelztemperatur, ist fürdas Gelingen später gut anlaufenden Rubinglascs, die auf die Schmelze folgendeAbkühlung; und zwar fand Müller daß, je rascher diese erfolgte, ein nm so