Goldrubin. 321
zu Anfang der Schmelze niederschlage, in einem späteren Stadium von untennach oben zu löse. Ist solches der Fall, so ist ein Umrühren der Masse währendder Schmelze, das unter Anderen schon Fuß empfohlen, für das Gelingen desProduktes jedenfalls recht zweckdienlich.
Auch das Anlaufen, die Entwickelung der rothen Farbe, erfolgt bei ver-schiedenen Gläsern nicht in derselben Weise. Bei gutem, farblosem, oder gelb-lichem, goldhaltigem Glase beginnt es bereits in den ersten Stadien der Roth-gluth, bei einer Temperatur, bei der sich die schneidenden Kanten eben erst zu run-den anfangen; bei anderen Rubingläsern muß die Anlaufhitzc weiter, bis zumWcichwcrdcn der Masse, gesteigert werden. In vielen Fällen geht das Hervor-treten des Roth sehr rasch vor sich, in anderen so langsam, daß man oft mehr-mals anzuwärmen sich genöthigt sieht; endlich ist auch die Farbe nicht stets die-selbe. Im Allgemeinen kann angenommen werden, daß, je mehr Gold ein Glasaufgenommen, um so rascher, und mit um so tieferer Farbe auch die Entwickelungder Aulauffarbe vor sich gehe, und stehen daher, durch ihr Lösungsvcrmögen fürGold beeinflußt, auf der einen Seite als langsam und schwer anlaufend, die blci-freien Alkali-Kalkgläscr, auf der entgegengesetzten das alkalifreie Bleiglas,das bei einem Goldgehalte von 1 Pr. mitls, schon gleich nach der Schmelze, beimAbschrecken in Wasser, satte Rubinfarbe zeigt, einander gegenüber.
Auffallend erscheint im Verhalten des Goldrubins, daß sein Anlaufen beieiner bestimmten Temperatur, niederer Rothgluth, nur dann erfolgt, wenn diesein aufsteigender Richtung, nicht, wenn sie durch Abkühlung erreicht worden; dasscheinbar Unerklärliche solchen Verhaltens schwindet indeß, erwägt man die Zu-stände, in denen sich das Glas bei verschiedenen Temperaturen befindet. DieZustände waren bei:
Weißgluth: _ Rothgluth, _
hoher: mittlerer: niederer:
Farblos, oder topas- Farbe des gebrann- „durchgehend, oder rubinroth.farbig. ten Zuckers. bereits lcbrig". (Anlauffarbc).
Bei allmälig fallender Temperatur geht somit das Goldglas durch, undwird lcbrig, ehe es das Stadium des Anlaufens erreicht, während es, rasch ab-gekühlt, und hierbei gewissermaßen mit Gold übersättigt erstarrt, beim Anwärmendann zuerst unter die dem Anlaufen günstigen Tempcraturbedingungen versetztwird. Daß sich die rothe Modifikation des Goldes auch direkt bei der niederenRothgluth bilden könne, zeigten die angeführten Versuche Knaffl's auf Por-cellan und Glasscherben, ja einer, gelegentlich der Müller'schen Arbeit, gemach-ten Mittheilung Fr. Knapp's nach, ist an farblosem Goldrubin, sogar bei ge-wöhnlicher Temperatur, unter Einwirkung zerstreuten Lichtes ein, wenn auch sehrallmäligcs, so doch bestimmtes Hervortreten der rothen Färbung *) zu bemerken,wie eine ähnliche Farbeuentwickelung im Lichte, wie wir a. a. O. gesehen, auchdie mit Mangan entfärbten Gläser wahrnehmen lassen.
r) Dingter's Journal 201 (1871), 141.Glasfabrikatiou.