Kupferrubin. 331
stellt, nach wiederholtem Umschmelzen und Abschrecken gelb bis orange aus.Wurden die farblosen Stücke nachträglich auf eine zu ihrem Erweichen genü-gende Temperatur erhitzt, so entwickelte sich die rothe Farbe in ihnen plötzlich,durch die ganze Masse hindurch. Bei raschem Erkalten, im Schmclztiegel desLaboratoriums, wurde das Product meist nicht als farbloses Glas, sondern als,selbst in demselben Gefäß oft sehr verschiedenes Ansehen zeigende, bald lcberartige,durchsichtig rothbraune, oder gelbliche, bald hochrothe, bis rothbraune opake Masse,gewonnen. Bei Schmelzvcrsuchen mit Gläsern mit steigendem Kupfergehaltc, beidenen sich zeigte, daß das Lösungsvermögcn des Glases für Kupfer, wenn auchbedeutender, als dasjenige für Gold, so doch immerhin ein recht beschränktes ist,gewann Ebell die Ueberzeugung, daß das Verhalten kupfcrrcichcr und kupfer-armer Gläser, wie sie direct aus der Schmelzung hervorgehen, ein ganz analoges,nur quantitativ verschiedenes. Es sind die kupfcrreicheren Gläser mehr zu Aus-scheidungen geneigt, und fallen daher durchgängig opaker aus, indeß bildet, nachihm „ein Glas nicht darum Hämatinon, weil es mit 4 bis 5 Proc., oder Aven-turin, weil es mit 9 Proc. Kupferoxyd geschmolzen, sondern nur, weil diese Glä-ser, nach dem Schmelzen, gewisse Ausscheidungen entwickeln, und diese Ausschei-dungen bei dem betreffenden Versätze mit Kupferoxyd am besten gelingen?'
Auch die meisten durchsichtigen kupfergcfärbten Rubingläscr lassen, bei ge-nauerer Betrachtung, leichte Trübungen erkennen, die, im reflectirten Lichte deut-licher hervortretend, unter dem Mikroskope als lichter, selbst bei starker Vergrö-ßerung nicht lösbarer Nebel erscheinen. Als ein solcher käuflicher Kupferrubiu,durch zweistündiges Erwärmen auf die Temperatur eben beginnender Erweichung,ein gänzlich verändertes Acußcre angenommen, und nunmehr undurchsichtig braunmit derber Trübung geworden war, ließ letztere, unter dem Mikroskop, in durch-kältendem Lichte eine deutliche Granulation erkennen, die sich, bei rcflcctirtcmLichte in dicht gelagerte glänzend rothe Pünktchen, die in eine durchsichtige Grund-masse von unbestimmter Färbung eingebettet erschienen, auflöste.
Schon in mit weniger als 1 Proc. Kupfcroxyd während der Schmelze ver-setztem Glase treten, nach ersetzter Reduction des Oxydes mit Zinn, mitunteropak zinnoberroth gefärbte Streifen oder Punkte hervor, es geht die Masse inPettenkofcr's Hämatinon über. Bei Betrachtung unter dem Mikroskop lassendann diese opakrothen Glaspartien dicht gedrängte hochrothe Ausscheidungen infarbloser Gruudmasse erkennen, die bei 800maligcr Vergrößerung, bei durch-fallcndem Lichte betrachtet, regelmäßige Form, meist quadratische, selten 6- oder8cckigc Projcctionen, und sehr nahe übereinstimmende Größe ausweisen. In auf-fallendem Lichte treten die Ausscheidungen schon bei ISOfacher Vergrößerung alsgetrennte feine rothe Punkte hervor, und zeigt sich, bei Anwendung stärkerer Ver-größerung, daß die meisten derselben matte rothe Körner, zwischen denen, bedeu-tend in der Minderzahl, gelbe glänzende Flimmer liegen. Nur der Größe derAusscheidungen nach unterscheidet sich somit das mikroskopische Ansehen des opak-rothen Glases von dem des lebrig gewordenen Kupfcrrubins. Fallen die Aus-scheidungen sehr dicht und ungewöhnlich fein aus, so nimmt hierdurch das kupfer-haltige Glas eine unansehnliche lehmgelbe Färbung an, auf die weiter untenzurückzukommen sein wird.