332 Kupferrubin.
Bereits gelegentlich der Pettenkofer'schen Untersuchungen wurde hervor-gehoben, daß das Ucbergehen des kupferhaltigen Flusses in Hämatinon bei einerTemperatur stattfinde, die nur eben genügte, die Masse noch weich zu erhalten-,reicht nun auch dieser Zustand der Zähflüssigkeit hin, um bei ihm eine Abschei-dung gelöst gewesenen Materials zu ermöglichen, so verhindert er doch andererseitsdas Wachsen ausgebildeter Krystalle, und ist demnach das Hämatinon, nachEbell, kupferhaltiges Glas, erstarrt bei einer Temperatur, bei der die Ausschei-dungen massenhaft auftreten, den Fluß opak machen, und so beschaffen sind, daßdie ganze Masse hochroth, im gelungensten Falle, in der Farbe des Zinnober-siegellackes erscheint.
Erfolgt die Ausscheidung dcö Kupfers in einer Temperatur, bei der dasGlas noch flüssig, so erhalten wir, in Folge ungestört vor sich gehender Krystalli-sation, ausschließlich die, schon im Hämatinon, aber hier wie angeführt, nur ingeringer Menge vorhandenen, wohl ausgebildeten Blättchen, die schon dem unbe-waffnctcn Auge erkennbar, meist Dreiecke von 0'03 bis 0'13 mm Seitenlängcbildend, aus einer weichen, biegsamen undurchsichtigen Masse bestehen, starkenMetallglanz besitzen, und in eine durchsichtige Grundmasse eingebettet sind. Indiesem Zustande erstarrt, bezeichnet man das kupferhaltige Glas dann als Avcn-turin. Wenn also Pcttcnkofcr dieses Material gewann, indem er Hämati-non unter Zusatz von Eiscnfcilc umschmolz, so hatte solches Ergebniß, nach denvon Ebell aufgeführten Thatsachen beurtheilt, nicht eine durch das Eisen be-dingte weitere Reduction der gänzlich hypothetischen Knpferoxydulverbindnngdes Hämatinons zur Ursache, sondern muß als Folge, unter anderen Umständeneingetretener, in ihrem ersten Stadium nur langsam vor sich gegangener Erkal-tung seines Flusses, angesehen werden.
Bisher galten die Krystalle im Avcnturin, einer ziemlich allgemeinen An-nahme nach, für oetasdrisch; auch dem widerspricht Ebell, da er fand, daß, wenndie Abscheidungcu im Hämatinon nach allen drei Dimensionen ziemlich gleichausgebildet zu sein schienen, in den Avcntnrinkrystallcn die dritte Dimension eineverschwindende sei.
Wo die ausgeschiedenen Blättchen so klein werden, daß sie als einzelne Krystall-individuen dem nnbewaffneten Auge nicht mehr erkennbar, und gedrängt nebeneinander gelagert sind, verwirren sich ihre Reflexe, und tritt, in Folge dessen, diematte, oben erwähnte, lehmgelbe Färbung der Glasmasse ein. Erfolgt dagegendie Krystallisation unter günstigen Umständen, so findet schon im ersten Stadiumdes Erkaltens so völlige Abschcidnng des Kupfers statt, daß für die, wie wir ge-sehen, dem zweiten Stadium angehörende, gestörte Krystallisation der Hämatinon-bildnng kein ausscheidbares Material mehr gelöst bleibt; diese unterbleibt also, underscheint, in Folge dessen, die Grundmassc des Aventurins ungetrübt.
Beim Umschmelzen geben sowohl Avcnturin und Hämatinon, als auch dasdurchsichtig rothe Kupferglas, der Kupferrubm, klare, nach plötzlichem Erkalten,ungefärbte Gläser, und alle drei gehen durch, und fallen lebrig aus, wenn ausihnen das Kupfer regulinisch sich abscheidet, wie das bei verlängerter Schmelz-dauer, sowohl in indifferenter, als in reducircndcr Atmosphäre, zu geschehenpflegt.