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Röhren- und Perlenfabrikation.
indeß das Rohr bis auf die unvermeidliche Verjüngung seines Querschnitts nachder Mitte zu regelmäßige Gestalt halten, so muß beim Ziehen gewissen Beding
Ng. 107.
Fig. 106.
gungen Rechnung getragen, namentlich andauernd neue Luft in die Pfeife einge-blasen werden, da sich sonst das Rohr abflachen würde, dann aber auch, damit
Fig. 108.
die Abkühlung des Glases eine von allen Seiten möglichst gleichmäßige sei, Pfeifeund Hefteisen, und mit diesen das Glasrohr während des Ziehens in gleichmäßigerund übereinstimmender Drehung erhalten werden. Wird die Drehung unterlassen,^o zieht das Rohr, in seinem unteren Theile stärker abgekühlt, sich ungleichmäßigaus, und bleibt seine Höhlung mit dem äußeren Umfange nicht concentrisch; wer-den Pfeife und Hefteisen in verschiedenem Tempo gedreht, so entstehen schrauben-förmige Windungen in der Glasmasse. Gewöhnlich werden die Röhren auf einerBretterlage von entsprechender Länge gezogen, auf welche man sie, wenn sie dieverlangte Ausdehnung erlangt, noch weich niederlegt, damit sie gerade werden;sind sie dann völlig erstarrt, so werden sie in Stücke von 1 bis 2 in Länge zer-schnitten. Nur für einzelne Gattungen mit außergewöhnlicher Wandstärke, wiez. B. die Wasserstandsröhren für Dampfkessel, ist es geboten, sie einem Kühl-processe zu unterwerfen, wie er für das bisher besprochene Hohlglas üblich. —
Sieht man von einzelnen, hier nicht näher zu besprechenden Gattungenvorläufig ab, so sind die Perlen nichts-anderes, als kurze Röhrenstücke. Amdeutlichsten tritt dieser genetische Zusammenhang zwischen Rohr und Perle aneiner Sorte der letzteren hervor, die, oft fünf-bis sechsmal so lang als dick, nament-lich in schwarzem Glase, gelegentlich aber auch farblos oder in bunten Farben, imHandel unter der Bezeichnung „Schmelzen" (sais) vorkommen und noch scharfeSchnittkanten zeigen. Schon den Schönen Aegyptens dienten solche Schmelzen zurHerstellung ihres breiten glänzenden oft farbenprächtigen Brnstschmuckes (xsotorals),und seit jener Zeit, namentlich aber seit dem Ende des 16. Jahrhunderts, wo diesesMaterial als Kleideraufputz in einem Inventar ausdrücklich erwähnt wiriQ), wer-den sie von der Diode stets wieder von Neuem zu letzterem Zwecke hervorgeholt.
Die Herstellung dieser Schmelzen ist eine äußerst einfache, da weiter nichtserforderlich, als ein Glasrohr von der gehörigen Dicke in gleich lange Stücke zuzerschneiden. An einer horizontalen Bank, auf der diese Arbeit ausgeführt wird,ist für solche Operation der eine Arm einer starken stählernen Scheere derartigbefestigt, daß er mit nach oben gerichteter Schneide horizontal liegt, während diezweite Schneide, mit einem verlängerten Hebelarme versehen, frei beweglich ist. Vor-der Scheere steht, an'der von dem rittlings auf der Bank sitzenden Arbeiter abgc-
1) tlla vsrrsris (karis, ÜLsüstts st Oomp. 1868), p. 201 86g.