Buch 
Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
Seite
349
JPEG-Download
 

Perlmfubrikation. 349

wandten Seite, in einer der Länge der zu liefernden Schmelzen entsprechendenEntfernung, eine feste Scheibe. Der Arbeiter ergreift nun mit der Linken einkleines Bündel Röhren, breitet diese nebeneinander, senkrecht gegen die Richtungdes festen Scheerenblatts über letzteres hin aus, schiebt die freien Röhrenenden bissie die Scheibe berühren vor, führt dann, mit dem in der rechten Hand geführtenanderen Blatte der Schcerc kurze stoßende Schnittbewegungen aus, und schiebtfeine Röhren, sobald die über die Schecre vorstehenden Enden abgeschnitten, stetsvon Neuem gegen die Scheibe vor. Neuerdings wird zum Zerschneiden der Röhrenauf Perlen mehrfach auch wohl ein der gewöhnlichen Häckselschneidemaschine sehrähnlicher Apparat benutzt.

Den eben behandelten Schmelzen nahe verwandt sind die gewöhnlichen Stick-perlen der verschiedensten Größen, deren Fabrikation bereits seit Jahrhundertenauf Murano betrieben, auch noch bis auf unsere Tage hier ihren Hauptsitz hat,und in sieben Fabriken jährlich gegen 2'5 Will. UZ farbiges Glas consumirt I.

Ueber die Zusammensetzungen der auf Stickperlen verarbeiteten Gläser istbisher nichts bekannt geworden. In kleinen Oefen, die oft nur einen bis zweiHäfen enthalten, wird das vorher gestattete Gemenge, bei seit Alters üblicher Feue-rung des Ofens mit gedörrtem Holze, geschmolzen, und wenn die 12 bis 17 Stun-den für sich in Anspruch nehmende Schmelze beendet, zum Ausziehen der Röhren,die, wie für die Schmelzen, so auch für die Stickperlen das Rohmaterial bilden,übergegangen. Röhren von der Länge und Feinheit wie sie für diese Fabrikationerforderlich, würden sich in der oben beschriebenen Weise nicht wohl ziehen lassen,es wird daher in Murano das folgende Verfahren in Anwendung gebracht. Bonden fünf auf jedem Arbeitsplätze beschäftigten Leuten nimmt der eine der zwei Unter-meister (pastonsri), an einem festen Eifenstabe von circa 1'ü bis 1'6 IN Länge,aus dem Hafen das zur Bildung des Rohres erforderliche Glasquantum auf, läßtdie sehr flüssige Masse sich ein wenig abkühlen, und formt aus ihr auf der Marbel-platte (bronmno) einen kurzen Bollcylinder. Er ergreift dann ein anderes kurzes,stabförmigcs, kaltes Eisen mit abgerundeten Enden (UorssUa), drückt mittelst dessel-ben eine mit der Längsachse des Glascylinders möglichst conccntrische, ebenfallscylindrische Höhlung in denselben ein, und übergiebt nun sein Arbeitsstück demMeister (soaAnoi-), der es anwärmt, wenn erforderlich nochmals marbelt, unddann an dasselbe ein unterdeß vom zweiten Untermeister mit einem frisch geformtenund noch heißen platten Glasknopfe versehenes zweites Pontil (oonWurn) anheftet,das den größten Theil der Oeffnung des auszuziehenden Hohlcylinders schließt.Sobald solches geschehen, ergreift jeder der zwei zum Arbeitsplätze gehörigenRöhrenzicher (tiratori) eines der beiden an der kurzen dickwandigen Röhre haf-tenden Pontile, und ziehen das zwischen ihnen befindliche Glas, in einer der Hütteangebauten Gallerie (oorrickojo) von 120 bis 150 m Länge, sich je nach der derRöhre zu gebenden Wandstärke langsamer oder rascher von einander entfernend,

st Auch rundgeschmolzene Perlen finden sich bereits unter den Produkten altägypti-scher Glasindustrie, so zeigt Tafel 8 Fig. 3 bei Racinet: P'osnoinont xaUcliroraseinen Scarabäus mit ausgebreiteten Flügeln, die aus farbigen, rundlichen Perlen her-gestellt sind.