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Millefiori. 355
angewärmt, wird er durch ein Zusammenpressen seiner vorderen Ränder wiedergeschlossen, dann bis zu vollem Erweichen angewärmt und, während nun derArbeiter, welcher ihn aufgeblasen hat, die Luft aus dem Inneren durch die Pfeifeabsaugt, von eineni anderen Arbeiter auf der Marbelplatte flach zusammengedrückt,so daß möglichst alle zwischen Mantel und Stäben eingeschlossen gebliebene Luftentfernt wird, und nur eine farblose flache Glasmasse, in die die farbigen Röhreneingebettet erscheinen, übrig bleibt. Auf die obere wie auf die untere Seite derso gewonnenen Platte wird dann eine Portion farblosen Glases aufgetragen, diegenügt, um einen Vollcylinder von einem Durchmesser, der größer als die Ge-sammtbreite der eingeschlossenen Stäbe, zu bilden, und darauf, durch Marbeln, ausder Gesammtmasse ein Cylinder, von einer Querschnittanordnung, wie sie Fig. 120
Fig. 121.
Fig. 119.
zeigt, hergestellt, der beim Ausziehen und Drehen, da die gewundene Fläche derFäden fortwährend aus der einen in die andere Projection übergeht, einen Stabvon dem Ansehen von Fig. 121 liefert. Eine eingehende Beschreibung der Her-stcllungsweise solcher Filigranstäbe hat 1845 B ontcmps im Bulletin der Looistsä'snooui-s.Asiusut gegeben.
Einfarbige sowie zusammengesetzte derartige Stäbchen, die, wenn das Mustergeradlinig, in Venedig einfach als „oauns", wenn es gewunden, als „oanus ri-torti" bezeichnet zu werden pflegen, bilden nun die Elemente, die schon von deralten Glastechnik, wie von den Venetiancrn und ihren Schülern, zu den sogenann-ten Mosaik- und Filigrangläsern benutzt wurden.
Fassen wir zunächst die besondere Art zusammengeschmolzenen und danndurch Ausziehen in verjüngtem Maße gewonnenen Mosaiks ins Auge, die durchZusammenstellung verschieden gefärbter, monochromer, mit der Pincette nachgeform-ter Elemente gewonnen wird, so wußten schon die Aegypter dieselbe zu decorativenZwecken zu verwenden, und wenn das Museum von Murano in dieser Weiseangefertigte Stäbe modern venetianischer Production aufbewahrt, die Wappen, eingelungenes Bild Victor Emanuel's, ja sogar, als besonderes Kunststück, auf einemQuerschnitte von nur etwas über 1 om Durchmesser, vier Portraits (VictorEmanuel, Napoleon III., Garibaldi und Cavour) zeigen, so besitzen wir auch hier-für antike Parallelstücke, so unter anderen in der Sammlung Townley's inLondon einen aus Fadenmosaik bestehenden Ringstcin mit der Figur des Osiris,und einen anderen solchen, der 1765 in Rom gefunden, und von Winckelmannbeschrieben, auf dunkel polychrom gehaltenem Grunde eine Ente in lebhaften Farbenzeigt^). Ja in manchen Sammlungen, so z. B. in der des österreichischen Museums
') Minutoli, H. v. Ueber die Anfertigung und die Nutzanwendung der farbigenGläjer bei den Alten (Berlin, Steffen 1836), S. 19.
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