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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Tafelglas. Böhmische Fabrikationsweise.

zu der Gestalt Fig. 137, dann, nach nochmaligem Anwärmen der von « nachunten gerichteten Partie, zu derjenigen derWalze" oder demCylinder",um. Hatte die Walze ihre volle Länge erreicht und war hierbei, durch Con-sumtion des am geschlossenen Ende der Haube angesammelt gewesenen Glas-überschusses, die Wandstärke am halbkugelförmigen Boden eine mäßige geworden,so heftete der Meister in der Mitte des letzteren eine kleine Quantität heißenGlases an, das, seine Wärme der nächsten Umgebung mittheilend, den von ihmbedeckten Theil des Bodens erweichte. Blies er jetzt in die Pfeife, verschloß dieMundöffnung der letzteren dicht mit aufgedrücktem Daumen, und wärmte denvorderen Theil der Walze im Werkloche wieder an, so durchbrach die eingeschlossene,sich in der Wärme ausdehnende Luft den Boden an der durch das aufgetrageneGlas erweichten Stelle plötzlich unter leichter Detonation. Das Anwärmen wurdenun fortgesetzt, bis der durchbrochene Cylinderboden eben erweicht, dann fuhr derMeister mit der Scheere in die entstandene Oeffnung, weitete diese etwas aus,beschnitt die unregelmäßigen Ränder (davurss) des Loches und gewann hierdurchsein Glas in der durch Fig. 138 wicdergegebenen Form. Wärmte er nun denunteren, conischen Theil nochmals stark an, und ließ die Pfeife hierauf, herab-hängend, rasch um ihre Längsachse rotiren, so erweiterte sich dieser Theil in Folgeder Wirkung der Ccntrifugalkraft ohne weitere Beihilfe, und ging der Glaskörperhierdurch in die Form des nur noch oben geschlossenen, geradwandigen Cylindersüber.

Um die nunmehr fertige Walze von der Pfeife zu lösen, wurde auf sie, ander eingeschnürten Stelle, ein Tropfen Wasser gebracht, dann durch leichten Schlagauf die Pfeife diese vom Glase getrennt. Einfacher ist es jedenfalls, da die Resteder Haube doch später entfernt werden müssen, den obersten cylindrischcn Theilder nach vollendeter Ausarbeitung bereits ziemlich kalten Walze direct über diehohle Seite eines halbkreisförmig gekrümmten weißglühenden Eisens (Fig. 139),

Fig. t39.

des'Rundsprengeisens", mehrmals hinzudrehen, und auf den hierdurch erhitz-ten, den Cylinder umspannenden, schmalen ringförmigen Streifen einen TropfenWasser zu bringen, wodurch zunächst ein kleiner Sprung entsteht, der aber in derheißen Linie rasch rund um die Walze herumläuft, und diese von der an der Pfeifezurückbleibenden Haube abtrennt.

Das erste Kühlen des von der Pfeife abgelösten Cylinders, der zu Bosc'sZeit höchstens eine Tafel von 1'20 bei 1'05 m lieferte, geschah in Kühlhäfen(onlavss), thöncrnen, geradwandigen, cylindrischcn Töpfen mit Deckel, die ineinem Nebenofen zum Gebrauche bis auf dunkle Rothgluth vorgewärmt wurden.In einen solchen Hafen trug der Junge auf einem trockenen Holzstabe je eineWalze ein, worauf der Hafen, mit seinem Deckel verschlossen und verschmiert, imOfen blieb, bis eine zweite Walze angefertigt worden und der für diese bestimmte