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Tafelglas: Bontemps' Kühlofen.
stehen kommt. Hier erweicht die Walze und wird, von dem Arbeitsloche 4 auS, aus-gebreitet und geebnet. Unterdeß wird aus der Röhre 2 eine neue Walze auf den Stein ckvorgeschoben, sobald die Tafel auf l- fertig gestreckt und geebnet, der Wagen in seineerste Stellung zurückversetzt, und erstarrt nun die zuerst geebnete Scheibe auf b,während die zweite auf cl gestreckt wird. An den kurzen Streckcanal sind diebeiden Kühlöfen ö und / angebaut, die, nach b und o hin offen, auf ihrer Sohledie Schicnengleise und L/' tragen, auf welchen ein niedriger, schmaler Kühl-wagen, mit auf ihm angebrachten eisernen Trägern, die den hier aufzustellendenGlastafeln als Stütze dienen, sich hin- und Herschieben läßt. Sobald die auf demStreckstein b ruhende Tafel genügend erstarrt, wird sie mittelst einer durch 7eingeführten Scheibengabel aufgenommen, und auf die Träger des Kühlwagensgebracht, während ihren Platz eine aus der Röhre 1 vorgeschobene neue Walzeeinnimmt. Ist nun das Glas auf Ä planirt, so geht der Streckwagen wieder indie in unserer Zeichnung gegebene Lage zurück, auf ek wird gearbeitet, b kühlt, undkommt die hier liegende Tafel, sobald sie erstarrt, auf den Kühlwagen in e, undso auch die folgenden Scheiben, je nachdem sie auf b oder auf ei gestreckt, abwech-selnd in die Kühlräume s oder/.
Haben sich auf einem Kühlwagen etwa ein Dutzend Tafeln angesammelt, sowird dieser auf seinem Schicnengleise um die eigene Tiefe zurückgeschoben, unddurch die hierzu geöffneten Thore 5 oder 8 ein neuer, leerer Wagen eingeschoben.Ist endlich der Ofen mit Wagen gefüllt, so wird der hinterste derselben, dessenLast nunmehr genügend gekühlt sein soll, durch die Thore 6 oder 9 herausgezogenund abgeladen.
Wie ersichtlich ist der Leonard'sche Ofen für continuirliche Arbeit erdachtund unleugbar hübsch construirt, doch dürfte bei feiner Benutzung der bei demweitläufigen Einschieben eines neuen Kühlwagens unvermeidlich im Kühlraumeentstehende Zug nicht ermangeln, schädlich auf das Glas zu influircn. Ob undin wie weit dieser Ofen in die Praxis eingedrungen und sich bewährt, darüber istnichts veröffentlicht worden, und daher wohl anzunehmen, daß er keine größereVerbreitung gefunden.
Schon seit längerer Zeit war in den französischen Krystallkühlöfen eine ArtWagenknhlung in Gebrauch, bei der dcr Kühlraum aus einem oft bis gegen 10 inlangen Canal bestand, der in der Nähe seiner einen Oeffnung geheizt, an seinemanderen Ende mit einem niedrigen Zugfchornsteine verbunden war. Durch diesenCanal wurde die fertig geformte Waare auf einer auf Schienen laufenden Wagen-reihe allmälig von dem heißen nach dem kalten Ende hin vorwärts gezogen, bissie, hierbei langsam gekühlt, und endlich völlig erkaltet, den Kühlcanal verließ.Seiner eigenen Angabe nach, versuchte Bontemps') bereits 1828, solche Wagen-kühlung auch für das Tafelglas nutzbar zu machen, und in dieser Weise einencontinuirlichcn Kühlofenbetricb zu ermöglichen. Er legte auf die niedrigen, guß-eisernen Kühlwagen je 12 bis 15 Tafeln über einander flach hin, ließ die Wagenin dem Verhältnisse, als einer nach dem anderen gefüllt wurde, in seinem 12 inlangen Kühlcanal vorrücken, und erhielt, wenn der Feuerung des Canals die crfor-
') (knicks ckn vsrrisr, x>. 286.