404 Tafelglas: Strecken nach Joncs und Penn-Walter.
Am gleichmäßigsten würde unzweifelhaft die Ebcnung wie das Kühlen er-folgen, am vollkommensten der hohe Glanz der Walzcnoberflächc gewahrt bleiben,gelänge es, den Cylinder ohne Berührung mit harten Instrumenten oder Flächenzu strecken und frei schwebend ganz allmälig erkalten zu lassen. Diese Voraus-setzung veranlaßte G. Jones^) zu dem Vorschlage, die Walzen zu erwärmen, bissie sich zu öffnen beginnen, dann die eine gerade Kante derselben mit einer eigenshierzu construirten Zange zu fassen, und sie, im erhitzten Ofen, an einem mitRollen versehenen Rahmen aufzuhängen. Durch ihr eigenes Gewicht soll sich danndie Tafel losrollen und gleichmäßig strecken (was indeß wohl kaum eintreffen dürfte)und dann, ebenfalls hängend, in weniger heiße Theile des Kühlofens allmäligweiter"geschoben, erstarren und kühlen.
Denselben Zweck wie Jones verfolgte W. Penn-Walter aus Philadelphia 2 )bei einem von ihm in Vorschlag gebrachten und ihm patentirtcn Streckversahren,das indeß eben so wenig wie das eben besprochene zu befriedigenden Resultatenführen dürfte. Nach Penn-Walter soll in die unaufgeschlitzte, erweichte Walzeein Stab eingeschoben werden, der derartig construirt, daß zwei an ihm anliegendeeiserne Rippen mittelst eines Hebelmcchanismus, stets parallel bleibend, von ein-ander entfernt werden können. Durch den von innen erfolgenden entgegengesetztenDruck dieser Rippen gegen die Walze soll dann diese allmälig in eine geradwan-^ 16 g dige (?) flache Scheide, deren breite Seiten je eine
b Tafel geben, in der Art, wie solches beistehcude Skizze
x z -- D (Fig. 169) zeigt, verwandelt werden.
Die Idee, das Tafelglas, wenn auch nicht inaußergewöhnlicher Weise strecken, so doch wenigstens möglichst frei schwebend kühlenzu lassen, verfolgt auch P. Flamm in seinem neuen, von Gouvyeux beschrie-benen Streck- und Kühlofens), der, erscheint es auch in hohem Grade zweifelhaft,ob bei dem gegebenen Arrangement das Glas gut gekühlt werden könne, jedenfallseinen neuen Gedanken enthält, der sich vielleicht, bei entsprechender Abänderungder Construction, Vortheilhaft verwerthen ließe. Von Flamm's Ofen geben dieFiguren 170 und 171 zwei Abbildungen in 0'01 natürlicher Größe, und zwarerstere einen Horizontalschnitt, in der Höhe der Linie (77) des Verticalschnitts;letztere diesen, nach der Linie ^471 des Horizontalschnittes.
In Fig. 170 ist-4 die Röhre, 777? der Streckraum, in den bei bb die Feuer-züge der Heizung münden, und auf dessen Schienengleise sich zur Zeit der eine derbeiden abwechselnd benutzten Streckwagen mit den auf demselben liegenden Steinen0 und F' befindet. In dem Niveau der Streckofensohle liegt, in der zweiten Ab-theilung des Flamm'schen Ofens, dem, durch an der einen Seite ausmündendeFeuerzüge geheizten Vorkühlraume 7), die eiserne Drehscheibe 77, die auf ihrerOberfläche zwei parallele Gleise trägt, welche, je nach einer halben Umdrehungder Scheibe, sich dem Streckofengleise als Verlängerung anschließen. Auf dem
st Dingler's Journ. 143 (1857), 117 nach Rsxsrt. ok patent invsnt. 1856,August. — 2 ) Wagner's Jahresbericht 8 (1859), 278, nach Zeitschr. d. hannov. Ar-chitekten- und Jngenieurvereins 1857, S. 467. — Polytechn. Centralbl. 1869,S. 1235, nach J.nnalss du Ocnic civil 1869, Januar.