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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Das Schneiden des Tafelglases.

Wie auf Vervollkommnung des Streckprocesses, so find die neueren Bestre-bungen auch dahin gerichtet gewesen, das, wennauch noch ziemlich allgemein übliche,so doch namentlich bei langen Walzen nicht stets in gewünschter Weise glückendeseitliche Aufsprengen des Cylinders mit dem Geradsprengeisen durch ein sichereresund bequemeres Verfahren zu ersetzen. Chance hat auch hier eine bessere Me-thode aufgebracht, indem er auf seinem Werke an Stelle des Eisens einen mitlangem Stiele versehenen, senkrecht zu letzterem gefaßten Diamant eingeführt, mitdem er im Inneren der auf einem schrägen Stativ ruhenden Walze, längs einesin dieselbe eingebrachten Lineals, einen scharfen Schnitt führt. Neben dem Vor-theil eines gerade verlaufenden glatten Schnitts erreicht er hierbei den anderen,daß die Ränder der aus in dieser Weise geöffneter Walze gestreckten Täfeln inder Nähe des Sprunges unvcrkratzt und rein sind, während sie bei Benutzung desSprengeisens stets Kritzen und häufig gelbliche, durch haftengebliebenen Eiscn-abbrand gefärbte Streifen zeigen. In ähnlicher Weise schneidet er auch die Kappemit dem Diamant von der Walze ab, und benutzt hierzu, während die letztere gegenei» lothrechtes Stativ gedrückt wird, einen von Claudel construirten, auf einemkleinen, mit Rollen versehenen Wagen montirten, in horizontaler Fassung ruhendenStein, der, durch eine Feder gegen das Glas gedrückt, ebenfalls von innen schneidet st.Auch die mit diesem kleinen Apparat gewonnenen Resultate sind nach Bontemps'Urtheil sehr befriedigende.

W. W. Pilkingtonst zu St. Helms (Lancashire) hat neuerdings propo-nirt, das Aufsprengen der Walze anstatt mittelst des Sprengeisens durch einenbrennenden Kohlenoxydgasstrahl zu bewirken.

Das Zerschneiden der fertig gestreckten und gekühlten Glastafel geschiehtnoch meist mit dem Glaserdiamant; vor ein paar Jahren hat indeß der WienerGlascrmeister Jos. Legrady ein neues Instrument unter dem NamenGlas-schneider" auf den Markt gebracht, das, nach dem übereinstimmenden Urtheile vonFachleuten, den Diamant zu ersetzen vermag, ja in starkem Glase sogar bessereSchnitte als letzterer giebt. Legrady's Glasschneider, für den indeß Druschkein Berlin die Priorität der Erfindung für Monge in Philadelphia in Anspruchnimmt, dessen Patent bereits vom 8. Juni 1869 datirt ist st, zeigt das für Dia-manten übliche Heft; an Stelle des Steins befindet sich aber in diesem ein kleinesscharfkantiges Rädchen von 3 mm Durchmesser, das, auf seiner Achse leicht dreh-bar, aus glashartem Stahl besteht, und die Fassung um etwa 0'75mm überragt.Will man mit dem Instrumente schneiden, so setzt man dasselbe derartig auf, daßdie Scheibe des Rädchens der Linealkante parallel zu stehen kommt, und fährtdann, unter leichtem Drucke, der vorgeschriebenen Schnittlinie nach. Der Schnittdringt Lief ein, und lassen sich selbst Curven mit dem Glasschneider gut ausführen.Dabei soll die Dauerhaftigkeit des Instruments der des Diamants wenigstensgleichkommenH. Nach dem Berichte v. Beß' wurde auf der Spiegelfabrik zuAltwasser bei Waldenburg (Schlesien) von Legrady mit seinem Rädchen eine rohe,

I Beschrieben und abgebildet bei Bontemps: (knicks äu vsrrisr x. 297uud2Ü8. 2) Waguer's Jahresbericht 17 (1871), 396; nach: Deutsche Jndustriezeitung 1871,S. 328. ch Polytechn, Centralbl. 1873, S. 1051; nach: Industrie-Blätter 1873,Nr. 33. st Polytechn. Centralbl. 1873, S. 962 nach: Kunst und Gewerbe, S. 127.