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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Gerieftes und gewölbtes Tafelglas.

gewellte Spiegelscheibe von gegen 3'7 ein Dicke ohne jede Schwierigkeit durchge-schnitten, eben so mehrere gegen 2om dicke, starke Platten mit rauhester Oberfläche,ohne daß je ein Mißlingen eintrat^. Für dünnes Glas, mit glatter Oberfläche,hält v. Beß indeß den Diamant, der um zu schneiden geringeren Druck erfor-dert, für geeigneter.

Ehe wir die Besprechung der Walzenglasfabrikation schließen können, müssen,wenigstens in Kürze, hier noch ein paar Specialitäten berührt werden: die Her-stellung der gerieften und der gewölbten Fensterscheiben, sowie diejenige dermeist zum Schutze von Prunkgegenständen benutzten Stürze oder Glocken.

Wie bereits an anderem Orte erwähnt verwischen sich selbst flache, aberscharf eingeschnittene Riefungen, mit denen das Külbchen durch Marbeln auf demRippstein, oder durch Einpressen in eine entsprechende Hohlform versehen worden,bei der weiteren Ausarbeitung des Glases nur sehr schwer, und war man daherim Stande, von diesem Verhalten des kleinen gläsernen Hohlkörpers Vortheilziehend, gerippte Flaschen, sowie scheinbar von einem Blätterkelche bis zu einerbeliebigen Höhe umschlossene Hohlgläser herzustellen. Wie zur Erzeugung letztererObjecte, so stampft und bläst der Arbeiter nun auch, soll geripptes Tafelglas(vorrs oauusls, Üutst-Klass) geliefert werden, sein Külbchen vor dem Austrei-ben desselben zur Haube in eine eiserne oder Messingform etwa von der Gestaltder beistehenden Skizze (Fig. 172), deren innere Wandung mit bis l om tiefen

^ Canneluren versehen ist, und hat dann bei der weiteren Aus-' ' ' arbeitung nur seine Aufmerksamkeit darauf zu richten, daß

das Arbeitsstück nicht über Erforderniß erhitzt werde, so wiedaß die entstehende Walze sich nicht schraubenförmig winde,da hierdurch der geradlinige Verlauf der sich verbreiterndenund abflachenden Rippen auf der gestreckten Tafel gestörtwerden würde. Gelegentlich wird übrigens eine Riefung desFensterglases auch wohl in der Weise gewonnen, daß man diegestreckte, noch weiche Tafel zwischen cannelirte angewärmteEisenplatten Preßt, oder zwischen gerippten, feuchtgehaltenenHolzwalzen langsam durchgehen läßt.

Die gewölbten oder bauchigenFensterscheiben (vsr-rs Lvitrsdomtzs) 2 ),die seit etwa anderthalb Jahrzehnten mehrfach wieder in Ausnahme gekommen,und sich, namentlich in von der Sonne beschienenen Fazaden, in denen die unver-meidlichen kleinen Unebenheiten des gewöhnlichen Fensterglases mißliebig hervor-treten, recht gut machen, sind das Product einer nach dem Strecken erfolgendennochmaligen Erweichung und Formung des Tafelglases. Gewöhnliches ebenesFensterglas wird zu ihrer Herstellung auf das verlangte Format geschnitten, wobeiindeß die Schnittlinien nicht Gerade, sondern, der erfolgenden Einsenkung der Tafelwegen, Kreisbogen von, da die Krümmung meist gering, ziemlich großem Radius,dann, auf passende glatte Hohlformen niedergelegt, bis zum Erweichen erhitzt, wobei

Polytechn. Centralbl. 1673, S. 202 nach: Dresdener Gewerbevereinszeitung 1873.Nr. 16. 2 ) F H. Thomson u. G. Foord's Patent vom Jahre 1851: Polytechn.Centralbl. 1852, S. 1163; nach London. Journal 1852, Juli.