412 Mousselinglas.
stehenden, von Steins aufgeführten Composition durch Schmelzung gewonnenwäre:
Satz: Berechnete Zusammensetzung:
Sand . . . .
100 Thle.
Kieselsäure .
. 41-2
Pottasche . .
70 „
Borsäure. .
. 9-2
Borax . . .
50 „
Zinnoxyd. .
. 4-3
Krhstallbrocken
100 „
Bleioxyd . .
. 30-3
Mennige . .
80 „
Kali . . .
. 10-8
Zinnoxyd . .
16 „
Natron . .
. 4-2
416 lOO'O
Zur Herstellung des Mousselinglases wird das staubfein gemahlene Email-Pulver mit Wasser, wie zum Tünchen der Wände bestimmte Wasserfarben, ange-rührt, und mit einem langhaarigen Pinsel oder einer weichen Bürste auf diehorizontal liegende Tafel in gleichmäßiger, dünner Schicht aufgetragen. Nachdemdann dieser Ueberzug vollkommen trocken geworden, erforderlichen Falls auch nochdurch einen zweiten Ueberzug verstärkt ist, wird die Tafel aus der den Emailanstrichtragenden Seite mit einer Schablone aus dünnem Messingblech überdeckt, aus derdie später auf dem Glase blank bleibenden Partien ausgeätzt sind, und durch Bürstenmit einer harten Bürste, die nur lose anhaftende Emailschicht von den durch dieSchablone nicht geschützten Partien wieder entfernt, dann die Glasscheibe mit demnun schon das Muster zeigenden Emailüberzuge allmälig bis zum beginnendenSchmelzen des letzteren erhitzt. Ist letzteres eingetreten, so wird die Glasscheibe ebenso allmälig wieder abgekühlt. Zu diesem „Einbrennen" des deckenden Grundesempfiehlt sich ein Canalofen mit Wagen, wie ein solcher, als für Herstellung dergewölbten Fensterscheiben üblich, bereits beschrieben worden ist.
Sollen neben dem mattweißen Email durchsichtige Farben zur Verwendungkommen, so werden diese in einem besonderen, je nach dem Verhältnisse der Schmelz-barkeit von Farbe und Email, der Anlage des opaken Grundes vorhergehenden,oder nachfolgenden Brande auf die andere Seite der Tafel applicirt 2 ).
Tilgham's a. a. O. besprochenes Nauhschlcifen des Glases durch gegendasselbe geschleuderten Sand dürfte ganz dazu angethan sein, die bisherigeMousselinglasfabrikation über kurz oder lang gänzlich aus dem Sattel zu heben,da sich dieser Schliff einerseits billiger als die Emaillirung stellen läßt, ein gefälli-geres Matt liefert, und, was für Fcnsterverglasung von großer Bedeutung, demTafelglase seine ursprüngliche Resistenzfähigkeit gegen chemische Einflüsse läßt,während die stark bleihaltigen Ueberzüge leicht zersetzbar sind.
Der eben citirte Guynon ist auch der Erfinder einer neuen Art Musterungdes Tafelglases, die in mechanischem Einschlafen mehr oder weniger dicht gedräng-ter feiner paralleler Linien, die, sich rechtwinklig kreuzend, Gewebedessins liefern,besteht. Die in dieser Weise zu decorirende Tafel wird, horizontal liegend, mit feinen
H Glasfabrikation: S. 172. — 2 ) Eine recht detaillirte Beschreibung der Herstellungdes Mousselinglases und eines für diese construirten Ofens gab A. Guynon in Parisin einer Broschüre unter dem Titel: Vsrrss ä vilrss. dlotivs snr Isnr äsooration,Paris 1873.