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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Mondglasfabrikation.

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so muß sie selbstverständlich andauernd in Rotation erhalten werden, bis sie voll-kommen erstarrt. Um nun ihre Abkühlung zu beschleunigen, und den ArbeiterFig. 177. nicht unnütz unter der Wärmestrahlung des Ofens leiden zulassen, wird, sobald die Krone aus dem Arbcitslochc entfernt,vor letzteres ein Schirm aus starkem Schwarzblcch geschoben,der die strahlende Wärme abfängt. Ist dann das Glas erstarrt,so tragen es der Meister und sein Gehilfe, welch letzterer dassich stets noch fortdrchcnde Bindciscn nahe am Glase mit einemdicken Handschuh in der Weise faßt, daß es unterstützt, aberan der Drehung möglichst wenig gehindert wird, zu einemebenen Lager hin, das sich an einem vor Zug geschützten Orteauf der Hüttensohle befindet und mit heißer Asche bedeckt ist,heben über diesem das freie Ende des Bindcisens in die Höhe,legen die Scheibe flach auf die Asche nieder, und trennen sievon dem Eisen durch einen mit einer schweren, langarmigcnScheere ausgeführten Schnitt durch die, weil dickere, so nocheinigermaßen weich gebliebene Glasmasse zwischen Bindeisenund dem sich zu dem centralen, dickenOchsenauge" (bouäins,bnlls s^s) abgeflacht habenden Knopfe.

Die nunmehr frei daliegende Scheibe wird mit einerunter sie gebrachten Gabel von dem aschebedccktcn Lager auf-genommen, und in den Kühlofen eingetragen, dessen einfache Einrichtung der derälteren Auflehnöfen entspricht, und sich von dieser nur darin unterscheidet, daßlang durch den Kühlraum hin, einige Centimcter über der Sohle, zwei paralleleeiserne Barren angebracht sind, quer über welche die Scheibe so aufgestellt wird,daß sie den Boden des Ofens nicht berührt. Die Scheiben werden, wie bei demgewöhnlichen Tafelglase, zu Pfeilern zusammengestellt, und zwischen die einzelnenPfeiler leichte Stützen aus Lattenciscn eingeschobcn, dann, ist die Arbeit vollendet,der Ofen zugeschmiert, und zu allmäliger, vier bis fünf Tage in Anspruch nehmen-der Abkühlung sich selbst überlassen. Ist das Glas nach Verlauf dieser Zeitvollkommen abgekühlt, so werden die Scheiben aus dem Ofen genommen unddurch einen Schnitt, in der Richtung einer an der einen Seite des Ochsenaugesvorbeigehenden Sehne, in zwei ungleiche Kreisabschnitte zerlegt. In Form solchhalbmondförmiger Tafeln, woher die deutsche BezeichnungMond glas", gelangtdiese Glassorte auf den Markt.

Der Walzenglasfabrikation, namentlich der alten Technik derselben, über diewir durch die Beschreibung derselben bei Theophilus (siehe S. 367) ziemlichgenau unterrichtet, nahe verwandt, ja von dieser nur sehr wenig unterschieden, istdie Fabrikation geblasener Spiegel größerer Dimensionen, die, kleinem An-fange entstammend, noch bis in das vorige Jahrhundert hinein sich hohen Rufes

Glasfabrikation. 27