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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
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Geblasene Spiegel.

erfreute, und deren letzte Nachkommen sogar noch über die Mitte unseres Jahr-hunderts hinaus ihre Existenz fristeten.

Daß bereits das Alterthum gläserne Spiegel gekannt, dürfte nach den, wennauch nur vereinzelten, gelegentlichen Angaben seiner Autoren i) nicht bezweifeltwerden können, ja, hat es mit einer von Sauzay angezogenen, unbegreiflicherWeise aber, trotz ihrer Wichtigkeit, nicht näher bezeichneten, und nur in franzö-sischerUebersetzung wiedergegebcnen Stelle bei Aristoteles 2 ) seine Richtigkeit,so wären auch die belegten Spiegel schon zu jener Zeit, somit bereits im 4. Jahr-hundert v. Chr. bekannt gewesen. Der bisher allgemeinen Annahme nach hättenwir indeß unter den Glasspiegeln des Alterthums uns obsidianartige, undurchsich-tige, weil dunkele Massen, mit glatter, polirter (?) Oberfläche zu denken, derenoberflächliche Lichtreflexion, wie die auf Obsidian, der in spätrömischer Zeit ebenfallszu in die Wand eingelassenen oder an ihr befestigten Spiegeln benutzt wurdet,nur ein düsteres Bild gab.

Aber nicht nur für das Alterthum, auch bis zum 13. Jahrhundert ist esunentschieden, ob damals schon belegte Spiegel existirt haben, obgleich gläsernermehrfach Erwähnung geschieht, so schon im 7. Jahrhundert von Jsidor vonSevilla^) und im 11.Jahrhundert vonHartmann von Aue^). Im 13.Jahr-hundert scheint dann der Gebrauch der Glasspiegel allgemeiner zu werden, dochwaren dieselben auch damals nur klein, und wurden als Schmuckstücke getragen,oder man führte sie, die wie unsere kleinen Klappspiegel gefaßt, und deren Fassun-gen oft reich verziert waren, in der Tasche^ bei sich, befestigte sie auch wohl inden Wohnungen an Thürschlengen und Wänden^).

Die erste directe Erwähnung metallbelegterSpiegel stammt aus den erstenJahren des 13. Jahrhunderts ^), doch scheinen neben denselben damals auch diedunkelen obsidianartigen noch im Gebrauche geblieben zu sein, wenigstens wieder-holt das dritte (jüngere) Buch dcs H er aclius noch die oben angeführte Aeußerung

So z. B. I'linins: Ilistor. natur. 36, 193: 8iäons (xnonäain llis oküeinis(vitrariis) nobili, signicksin stiam sxsonla sxooZitavsrat. 2 ) gan^az-: Imvsrrsris, x. 82:^ristotsls sst Is prsmisr <xui visnt a notrs ssoonrs; il nousckit:81 Iss mstaux st Iss oailloux ckoivsnt strs xolis, xour ssrvir äs miroirs,Is vsrrs st 1s sristal ont bssoin cl'strs äoudlvs ä'nns ksnille äs mstal, paarrsnclrs lüma^s gn'on Isnr xrsssnts." ^) klinins: List. nat. 36, 196: In Kv-nsrs vitri st odsiana nnmsrantnr niAsrrimi ooloris, aliguanäo st tralnoiäi,erassiors visu atixus in sxssulis paristnm xro ima^ins umllras rsäcksnts.Deutsche Bearbeitung des Loysel'schenIilssazk snr I'art äs la vsrrsris" x. 2:So sagt Jsidor von Sevilien: lsis<xus sst alia sxsonlis axtior matsria guamvitrnin. 6) Erec 2289 bis 91: äsn sin (ssllilt) linrtlivü Annoo rvas, ÜMn einIisllts 2 sxisAsl^las: vil vsrrs Zlasts clsr sokin. Das Leuchten in die Ferne dürstesich allerdings mit dunkelem Glase kaum vertragen. Der arme Heinrich 335 bis337: sr Asvann ir svar: sr vsils vant, sxis^sl nnäs llardant null svas üinclenlisx soll sin. ch Köditz' Leben St. Ludwigs 26, 22: llsr ^ooll üe: sinsw bütsisin Lvesluoüin sxiAsl ivol Askaririit. Ein solcher Spiegel, venetianischer Arbeit, ausdem 16. Jahrhundert, abgebildet und beschrieben bei Sauzay: Im vsrrsris (karis,Haokstts, 1868) x. 98u. 99. ?) Deutsche Mystiker des 14. Jahrhunderts (Ed. Pfeif-fer):als man llis spis^sl spulest an clis türsinls ^s naZsIn, ckae: äis nnäin Agncksn sioll klar inns srsslrsn. ^) Parzival 1, 20 bis 23: mn ancksrlralxams Zlass Asliollsnt anst äes blinclsn troum clis Asbsnt antlitr:ss roum.