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Fabrikation geblasener Spiegel.
Schwierigkeiten, die Hütten des vorigen Jahrhunderts lieferten, muß schon uxriorierwartet werden, daß es für solchen Zweck möglichst weich gehalten worden seinwird, und bestätigen solche Annahme dann auch die wenigen vorliegenden Analysengeblasenen Spiegelglases, die in der folgenden Uebersicht zusammengestellt sind.Geblasenes Spiegelglas:
venetianisches
böhmisches
russisches
?
nach Steins
nach Peligot2)
nach Benrath^) nach Vogel >Reischau
Kieselsäure . . . 72'46 .Thonerde -st Eisenoxyd
. . 67-70 .
. . 62-29 .
. . 65-16
und Mangan . —
. . 1-40 .
. . 3-25 .
. . 3-39
Kalk. 7'24 .
. . 9-90 .
. . 6-56 .
. . 4-69
Natron u. Verlust. 8'70 .
— .
. . 6-78 .
. . 2-47
Kali.11-64 .
. . 2100 .
. . 21-12 .
. . 22-31
100-04
100-00
100-00
98-02
Bon diesen Gläsern käme nur das venetianische der Zusammensetzung desgewöhnlichen kalkarmen Hohlglases nahe, die anderen sind außer ihrer Kalkarmuthnoch sehr basisch, daher leicht zersetzbar, und ist es schon hieraus erklärlich, daßderartig zusammengesetzte Scheiben nur in trockenen Räumen einigermaßen haltbarwaren, in Fenstern rasch erblinden mußten.
Schmelze und Läuterung der auf geblasenes Spiegelglas zu verarbeitendenGlasmasse erfolgten, auch in den diesen Artikel liefernden Hütten, mit ihrendurchgängig auf directe Holzfeuerung eingerichteten Ocfen, in gewöhnlicher Weise;nur wurde der letzteren in guter Zeit die größte Aufmerksamkeit zugewandt. AufFabriken, die nur kleine Spiegel von geringer Glasstärke lieferten, unterschied sichauch die Art der Ausarbeitung nicht von der Arbeitsweise der gewöhnliches Tafel-glas in böhmischer Art erzeugenden Etablissements; anders indeß, wo es galt,große, und daher auch bedeutende Dicke besitzende Scheiben herzustellen, wo dievor der Pfeife anzusammelnde Glasmasse ein Gewicht von 50 und darüberbesaß, und schon daher eine Abänderung der sonst zu ihrer Bearbeitung üblichenManipulationen verlangte.
Waren die Häfen abgeschäumt, so begann auf den große Gläser lieferndenHütten der „Anfänger" an seiner langen und starken, vorher aufgewärmtenPfeife, die schon an und für sich zu schwer war, um von einem Manne freigehandhabt werden zu können, und daher nahe ihrem vorderen Ende auf einenvon zwei Gehilfen getragenen dicken Eisenstab aufgestützt wurde, einen PostenGlas aufzunehmen, vertheilte ihn durch Marbeln möglichst gleichmäßig um denverdickten Pfeifcnknopf, und überfing ihn dann mit einem zweiten, dritten u. s. w.,bis das erforderliche Glasquantum angesammelt war. Bereits dieses Aufnehmendes Glases, bei dem, wenn es zum zweiten oder dritten Male stattgefunden, die
I Stein: Glasfabrikativn, S. 22. — 2) Liebig's Annal. 60 (1846), 200. —3) Wagner's Jahresbericht 14 (1868), 379. — ^) Dingler's Journal 152 (1859),181.