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Geblasene Spiegel.
geben und der Guß eingeführt worden, als Spiegclfabrik bei Dorpat beste-hende Anstalt, die geblasene Spiegel von bis 360 ein Höhe lieferte. In denachtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde zu Grünenplan der Versuch gemacht,den Spiegelgnß einzuführen; diese Bemühungen blieben aber resultatlos, eben soeine auf Lichtcnberg's Anregung unternommene Reihe von Versuchen, Flintglasfür optische Zwecke dort herzustellen. In den Besitz der Gebrüder Koch über-gegangen, ist auch Grünenplan mit dem dazu gehörigen Freden neuerdings ineine Gußfabrik umgewandelt worden und z. Z. damit beschäftigt, als „DeutscheSpicgelglas-Manufactur-Actiengesellschaft", die vorhandenen Anlagensehr bedeutend zu erweitern. Außer der genannten russischen Fabrik wurde vonGrünenplan aus, erhaltenen Familiennachrichten nach, durch einen Bruder desobengenannten Amelung am Ende des vorigen Jahrhunderts auch eine unabhän-gige Tochteranstalt zu Baltimore angelegt, die, wenigstens zeitweilig, gutenFortgang gehabt haben soll.
Böhmen besitzt noch heutigen Tages zahlreiche Fabriken für geblasene Spie-gel, unter denen die gräfl. Kinsky'sche zu Welnitz, Lindenau und Bihl inder Herrschaft Burgstein, die das Glas auf der Fichtenbacher Hütte (KreisKlattau) erzeugt, die älteste und 1835 auch die größte und beste gewesen. Nebenihr excellirte durch große geblasene Gläser die Fabrik zu Neu-Hurkenthal imParchimer Kreise I.
Ueber englische Fabriken für geblasenes Spiegelglas ist sehr wenig bekannt.Die Königin Elisabeth wandte sich, um die Industrie einzuführen, nach Ant-werpen, und ließ von dort einen gewissen Jean Quarre nach England kommen2);der Herzog von Buckingham bezog dagegen die Arbeiter für seine 1670 gegründeteFabrik zu Lambeth aus Venedigs). Außer dieser Fabrik existirte dann um dieMitte des 18. Jahrhunderts auch bereits eine solche zu London (Orntollsä lN'inrs?),von der Böse 1760 sagt: „In msnnisoturs äs Uonärss ns Löäs rzu's. osllsäs Isisustnät x>onr 1s. llsants äss Alssss^)."
Einer zweiten russischen Fabrik für geblasene Spiegel im Rjäsan'schcnGouvernement von Bolew angelegt, wurde bereits Erwähnung gethan. Nochz. Z. existirt in diesem Gouvernement eine, neuerdings auch zum Guß übergegan-gene Anstalt zu Kiritz, Smoljäninosf gehörig. Die älteste russische Spiegel-fabrik, oder wenigstens eine Hütte, die neben anderen Productcn auch Spiegellieferte, ist eine unter Peter dem Großen im Kiewschen angelegtes, auf der„ausländische Meister" thätig waren, die aber z. Z. nicht mehr existirt.
Der complicirten, gleich näher zu beschreibenden Behandlung nach, der dasGlaS unterworfen werden mußte, sollten aus ihm auf dem Wege des BlascnsSpiegel von so ansehnlichen Dimensionen gefertigt werden, wie sie, trotz aller
Leng: Glasfabrikation, S. 560. Demselben Werke und der deutschen BearbeitungLoysel's sind auch die meisten übrigen Angaben über die hier aufgeführten deutschenFabriken entnommen.— bei Lobmayr: Die Glasindustrie, S. 119. —chLeng:Glasfabrikativn, S. 9. — Nsmoirs: Osuvros 1, 69. — 5) Stieda: „Peter derGroße als Mercantilist", Russische Revue 1874, S. 218.