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Die Glasfabrikation : mit 201 in d. Text eingedruckten Holzstichen / von H. E. Benrath
Entstehung
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428 Gewalztes und gepreßtes Glas.

iv. Glas, bei dessen Formung der in hoher Temperatur flüssige w

Zustand der Masse benutzt wird. st

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Werfen wir einen Blick zurück auf die verschiedenen Bildungsweisen, denen m

die in den letzten Abschnitten behandelten Glassorten ihre so mannigfaltigen For- bc

inen verdankten, so war die Technik der Ausarbeitung derselben, durchgängig aufden zähen, plastischen Zustand basirt, der, bei allmäliger Abkühlung unseres fa

Materials, dem völligen Erstarren vorhergeht. Im Gegensatze hierzu ist für die ' dlim Folgenden zu besprechenden Behandlungsweisen eine, höheren Tempcraturgra- m

den entsprechende, noch flüssige Constitution des Glases, in der dieses zwar nicht o!

mehr dünn wie Wasser, aber doch noch nicht zähe genug, um vor der Pfeife bear- u

bcitet werden zu können, diejenige, auf die sich alle Operationen stlitzen. An die E

Stelle des Bläsers tritt der Gießer, und die Erzeugnisse seiner Thätigkeit lassen, ai

verglichen mit denen des Bläsers, nahezu denselben Gegensatz erkennen, den wir di

an getriebenen und gegossenen Metallarbeiten zu beobachten Gelegenheit haben. P

Usuell ist es, das im Folgenden zu besprechende Glas in gegossenes und P>

gepreßtes (Gußglas und Preßglas) zu theilen, eine Eintheilung, die indeß nichts v>

weniger als scharf, ja unhaltbar erscheint, da kein Glas so heiß und dünnflüssig st

gegossen wird, daß es ohne mechanische Nachhilfe die Form in gewünschter Weise P>

erfüllte, man somit überall einen gewissen Druck, eine Pressung auf das Material n

auszuüben genöthigt ist. Sollen Unterschiede in der Technik gegensätzlich hervor-gehoben werden, so ist es unzweifelhaft richtiger dem gepreßten das gewalzteGlas gegenüber zu stellen. Allerdings würde solche Aenderung der Bezeich- ^nung sachlich nichts ändern, die Gruppirung der unter diese Rubriken zu verthei-lenden Objecte würde die bisher übliche bleiben.

Bereits dem frühen Alterthume konnte die Möglichkeit, Glasflüssen, durch z,

die der Erzindustrie geläufige Technik des Gießens in Formen, eine vorher bestimmte z

Gestalt zu geben, nicht entgehen, lag eine derartige Behandlung der geschmolzenen ^

Masse doch scheinbar weit näher, als das Formen durch Blasen. So finden wir §

dann auch bereits in Aegypten den Guß oder das Pressen der flüssigen Masse in ^

Formen in die HUttenpraxis eingeführt, das beweisen die unter den dortigen Fun- ^

den so zahlreich vertretenen, in Hohlformen hergestellten Nachbildungen des heiligen ß

Käfers der Aegypter, dieScärabäen", die als Amulette getragen und den Todten ^

mitgegeben wurden, sowie andere, theils roh gebliebene, theils nachgeschnittene sx

Pasten unserer Sammlungen, dafür sprechen die von Hcrodot (2, 69) erwähnten x

Ohrgehänge ausgegossenem Stein", die -nAen« der

Aegypter. e

Doch nicht nur auf derartige kleine Producte beschränkte sich die antike Guß- h

glasfabrikation; in hohem Grade wahrscheinlich ist es, daß auch die bereits S. 365 ' ^

erwähnten, flachen Gläser, die von den Alten, so z. B. in Rom, zu Wandincru-stationen, decorativem Mosaik und gelegentlich zum Verschlüsse der Lichtöffnungen x,

benutzt wurden, gegossene waren. Das einzige näher bekannte Stück letzterer Art, z-

eine von Bontemps untersuchte pompejanische Scheibe, dankt z. B. allem Z

Anscheine nach dieser Technik ihre Entstehung und wurde, nach Bontemps, derauf dem Gebiete der Technik unseres Industriezweiges unbestrittene Autorität,