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Gewalztes Spiegelglas.
praktisch geworden, wer weiß, ob sich Unternehmer gefunden hätten. Charakteri-stisch für die Auffassung der Gründer ist es, daß sie Capital zu dem Unternehmenhergaben, obwohl ihnen das Recht des Debits nur für Gläser ertheilt werdenkonnte, die über 150 sm Höhe besaßen, da die Alleinproduction kleinerer Gläserschon den geblasene Spiegel liefernden Hütten zugesichert war.
Die erste Anlage, die Gießerei in Paris, deren von Ludwig XIV. ertheil-tes Privileg von 1688 auf den Namen des „Abraham Thsvart, llourZsoisäs notrs Konus vitls äs Uaris" lautete, hatte dann auch, nachdem sie in Betriebgesetzt, mit unzähligen Schwierigkeiten zu kämpfen. 1691, nach Anderen 1693,wurde von ihr das alte Schloß von Saint Gobain (Dep. Aisne) angekauft, unddie Gießerei hierher verlegt, aber auch hier ging es vorläufig nicht vorwärts, ja1701 war Alles in Verfall, und die Gesellschaft zur Liquidation gezwungen. Dochbereits 1702 tritt eine andere, deren Privileg nun auf den Namen Anton Dagin-courts lautet, an ihre Stelle, nimmt als Losists äs 8ainb Ookain die Arbeitwieder auf, und hat dieselbe, ungeachtet auch sie zuerst noch mit bedeutendenSchwierigkeiten zu kämpfen gehabt, bis auf unsere Tage ununterbrochen fortgeführt.Seit 1756, wo ihr verdienstvoller Dircctor Deslandes das Material durch Ein-führung der Verwendung eines bestimmten Gemenges von gereinigter Soda undKalk, an Stelle der bisher benutzten Barilla, verbesserte, sowie praktische Aende-rungen in der Hütteneinrichtung und an den benutzten Utensilicn durchführte, hobsich die Güte des Productes allmälig, und, war sie auch noch zum Schlüsse desJahrhunderts, nach dem Zeugnisse erfahrener Zeitgenossen, so Bosc's, dessenUrtheils in diesem Falle indeß wohl kein unpartheiisches, und daher etwas pessi-mistisch, keine mustcrgiltige, so regte der Betrieb der Gießerei doch schon zu Nach-eiferung an, und rief mehrfache Concurrenz ins Leben 2 ). Die erste der französischenConcurrenzfabriken war die, nach Ablauf des ersten Privilegs der inannkavtursrozmls, um die Mitte des 18. Jahrhunderts durch Bosc selbst begründete Spiegel-fabrik zu Rouelle in Burgund, die indeß nur kurze Zeit arbeitete. 1775 bereitswird Bosc als Director von St. Gobain aufgeführt b).
Weit bedeutender war als Rivalin auf dem Gebiete der Production gegossenerSpiegel die Fabrik von St. Quirin (Meurthe), eine alte Tafelglasfabrik, dieunter Leitung ihres, aus St.Gobain herausgezogenen Directors Ksvastrc, früh-zeitig bereits gewalztes Glas zu liefern und mit bestem Erfolge zu arbeiten begann,später, namentlich untcrLeitungChevandier's, StGobain bis 1830 bedeutendeConcurrenz machte. Als in dem eben genannten Jahre aber zwei neue Guß-
H Bosc, der Abraham Thsvart für den Erfinder des Gußverfahrens hält, sagtnoch ausdrücklich: „X. Dir. trouva Is ino^sn äs sonlsr Is verrs xour lös Zinsesn wiroir. Hus'n sst-il rssnlts? äss ßkaoss ä'nn plus A-ranä voinrns, st eisnäs xlns. Iws ouvrnAss äs nos vsrrsriss saut ä'nus raanvaiss czunlitv st kortoirsrs." Osnvrss 1, 64. — 2 ) Die im Vorstehenden, sowie im zunächst folgenden ge-gebenen historischen Angaben sind, wo nicht Näheres angegeben, ksiiAvt's: vormslstzons, Ilontsinps' 6uiäs, und einem Auszuge aus Beeg's: Notizen über Gußspie-geisabrikation in Wagner's Jahresbericht 3 <1857), 195, entnommen. Das Ouellenwerk:Eochin, A.: I-a Nanntaotnrs äs Zinses äs 8aint Kokain äs 1665—1865 <l?aris,Oonnioi, !866) habe ich im Buchhandel nicht bekommen können. — ^ 1-ss AranässEsinss (lürris, l.svx.) 3, 46.