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Gewalztes Spiegelglas.
fabriken in Frankreich ins Leben traten, von denen die eine, Commentry, neugegrün-det wurde, die andere, aus der früheren Biolaine'schenBouteilleufabrik, Prsmontrs,bei St. Gobai» entstand, und nunmehr auch, nach dem Muster von St. Gobin,gewalztes Glas zu liefern begannen, einigten sich St. Gobain und St. Quirindahin, fortan ihr Product zu gleichen Preisen auf den Markt zu bringen. Prs-montrs wurde dann, nachdem es wenige Jahre mit Erfolg gearbeitet, von St. Gobinangekauft, und wurden die Oefen daselbst gelöscht. 1840 wurde die Gießerei vonSt. Quirin nach St. Circy übergeführt und erfolgte bald darauf eine Fusionder Gesellschaften von St. Gobin und St. Cirey. — Um dieselbe Zeit etwa warim Dep. Allier zu Montluxon eine neue Concurrentin aufgetreten, der danngegen 1860 noch die beiden französischen Filialen der belgischen Fabriken zuSt. Marie d'Oignies (im Hennegau, gegründet 1840 durch ClcmentDcsor-mes, der früher in St. Gobain angestellt gewesen) und Florcffe (bei Namurgegründet 1833, ebenfalls durch einen früheren Beamten von St. Gobain),Reiquinies und Jeumont (Nord), sowie endlich die Drion und Patoux'schcFabrik zu Aniche (Nord) folgten. Neuerdings ist auch Montluxon in den Be-sitz der Compagnie von St. Gobain übergegangen, deren Anstalten, begünstigtdurch die großen Mittel, mit denen sie arbeiten — so besitzt z. B. die Gesellschaftihre eigene chemische Fabrik zuChauny bei St. Gobain — sowie durch vortrefflicheLeitung, bei der im Vcrwaltungsrathe auch erste wissenschaftliche Größen Frank-reichs mitwirkten, in jeder Beziehung an der Spitze der modernen Spiegclfabrika-tion sich erhalten, und heutigen Tages das ansehnliche Quantum von 500000Spiegelglas jährlich producircnJ, während 1867 die Production aller französischenHütten zusammen sich noch auf 380 000 czm hielt.
Zu den bereits angeführten Fabriken im benachbarten Belgien: der 8uoistörrnon^ms äss Nanntaotnrss äs Ollasss äs 8ts. Naris ä'OiAniss bei Char-lcroi, und der Oomps-Znis äs Ulorslts kamen in neuester Zeit noch zwei Eta-blissements hinzu: die 8ooists anon^ms än Ilainant, zu Roux und die8ooistsäs Ooni-ssllss, die sich keine der Erfahrungen St. Gobins entgehen lassen, gutarbeiten, und dazu beitragen, daß die belgische Jahresproduction auch etwa200000 gewalztes Glas beträgt.
In Spanien mißglückte ein bereits durch den ersten Director von St. Go-bain, de la Pommerayc, unternommener Versuch den Spicgelgnß einzuführen,vollständig. Nachdem Pommeraye St. Gobin 1697 verlassen, legte er die könig-liche Fabrik zu Sanct-Jldefonso oder la Granja bei Madrid an, die indeßnie in regelmäßigen Betrieb gelangte, und zu Anfang unseres Jahrhunderts alsSpicgelfabrik aufgegeben wurde. Nachfolger hat St. Jldefonso nicht gefunden.
Das Land, in dem die, in ihren Anfängen und dem wesentlichsten Theileihrer Entwickelung specifisch französische Fabrikation gewalzten Spiegelglases außer-halb Frankreichs zuerst festen Fuß gefaßt, war England. Hier bildete sichbereits 1773 eine Aktiengesellschaft zur Fabrikation gegossenen Glases, die alsLritisll iklats-Olas 6o., unter Leitung eines gewissen Dclillc aus St.Gobainihr nach dem Muster letztgenannter Fabrik eingerichtetes, und mit französischen
I Beehelm bei Lobmeyr: Die Glasindustrie, S. 227.